“Ich kenne keine Frau, die verzichtet hätte”

Prof. Dr. Heike Kahlert, Uni Greifswald – Foto: privat

Dr. Heike Kahlert, Uni Greifswald – Foto: privat


Dr. Heike Kahlert lehrt und forscht am Lehrstuhl für Analytische Chemie und Umweltchemie an der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald. Sie hat drei Söhne, 14, 11 und 7 Jahre alt. “Die Jungs sind sehr selbstständig”, sagt die Alleinerziehende, die Unterstützung vor allem durch die eigene Mutter, die Großeltern väterlicherseits, Freunde und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) erfährt – ein Verein, in dem sie ehrenamtlich tätig ist. Für Ostfrauen_Blog schreibt die gebürtige Brandenburgerin darüber, wie ihr der Spagat zwischen Karriere und Familie gelingt und welche Vorbilder sie prägen.

HEIKE KAHLERT: “Als die Wende kam, war ich 18 Jahre alt. Das heißt, ich habe meine Kindheit und Jugend in der DDR verlebt. Soweit ich mich erinnern kann, gab es in meinem Umfeld nicht eine Frau, die zur Betreuung der Kinder zu Hause geblieben ist und auf ihren Beruf verzichtet hätte.

Aus meiner Sicht haben die Mütter in der DDR etwas ganz besonders geschafft: Den Spagat, in der Familie das klassische Rollenbild der Haushälterin und Mutter zu erfüllen und im Berufsleben voll engagiert zu sein. Das war nur durch Organisationstalent und Selbstdisziplin zu bewältigen. Das sind Eigenschaften, die unsere Mütter sicherlich von ihren Müttern erlernt haben, die in Kriegszeiten und danach ein hartes Leben zu meistern hatten.

Unsere Generation profitiert von diesem Erbe, denn ich kann für mich sagen, dass ich diese Eigenschaften so verinnerlicht habe, dass ich manchmal überrascht bin, wenn ich darauf angesprochen werde, wie ich meine Karriere als Hochschullehrerin, meine drei Kinder und meine ehrenamtliche Tätigkeit in der DLRG unter einen Hut bekommen kann.


Ich wollte immer beides: Beruf und Familienleben

Für mich ist das eigentlich keine so große Schwierigkeit und ich muss auch nicht ständig darüber nachdenken. Für mich stand nie die Frage im Raum, ob Beruf und Familienleben vereinbar wären und ich wusste, dass ich immer beides haben wollte. Ich kann mir ein Leben ohne berufliche Erfüllung und ohne Kinder überhaupt nicht vorstellen.

Beruflich hatte ich nie Probleme im Arbeitsumfeld mit der Tatsache, dass ich auch Mutter bin, denn mein Diplom- und Doktorvater hat selbst zwei Kinder und eine Frau, die in den Naturwissenschaften promoviert und sich habilitiert hat. Manchmal muss ich nur aufpassen, dass ich nicht selbst zu hohe Ansprüche an mich stelle und versuche, in allen Dingen mehr als hundert Prozent zu geben, damit meine Leistungen auch wahrgenommen werden.

Vielleicht liegt darin die Aufgabe, die wir vor uns haben und was wir der nächsten Generation mitgeben müssen: Ein gesundes Selbstvertrauen in ihre eigene Kraft zu entwickeln und damit die Voraussetzung zu schaffen, die Möglichkeiten, die uns die Erbschaft unser Mütter und Großmütter in die Wiege gelegt hat, zu nutzen.”

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