“Coole Typen, Glitzer und Ideen”

Im Jahr 1990 war Ulrike Lerchl auf Jobsuche, weil es an ihrem bisherigen Arbeitsplatz hieß: “Kurzarbeit Null”. Die einstige Studentin der “Fachschule für Werbung und Gestaltung” fing kurz darauf in einer jung gegründeten Agentur in Dresden an. Heute ist Ulrike Lerchl Geschäftsführerin dieser Firma, die auch ihren (früheren) Namen trägt: Oberüber | Karger Kommunikationsagentur. “Das man sich so mit seiner Arbeit identifizieren kann, hatte ich nie für möglich gehalten“, sagt die Unternehmerin rückblickend.  Beim III. Kongress “Frauen machen Neue Länder” hält Ulrike Lerchl die Impulsrede “Erfolg braucht Partner – Unternehmenskultur und Karrieremodelle in Ostdeutschland”. Doch zuvor lässt die erfolgreiche Dresdnerin ihr persönliches Wendejahr 1990 in unserem Blog  Revue passieren.

Ulrike_Lerchl_1990

Ulrike Lerchl im Jahr 1990 – Foto: privat


ULRIKE LERCHL: “1990 – es scheint eine Ewigkeit her zu sein, so als hätte es ein altes und ein neues Leben in meinem Leben gegeben. Ich war noch nicht mal 30 als die so genannte Wende kam und ich habe mich irrsinnig gefreut. Wir alle haben uns gefreut, meine Familie, meine Freunde, Kollegen und Bekannte. Es hatte etwas Unrealistisches und irgendwie dachte ich, dass das doch niemals für immer jetzt so sein kann, wie wir es uns alle gewünscht haben, auf den Montagsdemos, vor dem Hauptbahnhof als uns die Wasserwerfer trafen, bei konspirativen Buchlesungen oder verbotenen Liederabenden in der Kirche.

Da war sie, die Freiheit und sie lag vor uns und ich war jung, meine kleine Tochter fast drei Jahre alt und ich auf Arbeitssuche, weil meine alte Firma “auf Kurzarbeit null” war. Ich hatte in der DDR an der “Fachschule für Werbung und Gestaltung” studiert und wollte unbedingt in eine “richtige” Werbeagentur. Diese Welt von coolen Typen, Glitzer und verrückten Ideen, da wollte ich dabei sein. Und ich wollte neue Seiten an mir entdecken, testen, was möglich ist. Der Mut hat mir gefehlt, in die Alten Bundesländer zu gehen und zu wichtig war mir auch, da zu bleiben, wo meine kranke Mutter mich brauchte. So ging ich in eine junge Agentur, gegründet von einem jungen Kollegen aus Düsseldorf, die heute auch meinen (alten) Namen trägt und schaue mittlerweile auf 20 Jahre Selbständigkeit zurück.

Alle meine Erwartungen wurden übertroffen!


Alle meine Erwartungen von 1990 wurden erfüllt und übertroffen. Das man sich so mit seiner Arbeit identifizieren kann, hatte ich nie für möglich gehalten. Wie ich mich persönlich entwickeln konnte, dafür werde ich immer dankbar sein. Meine beiden Kinder haben teilweise im Ausland studiert und sind selbstbewußte, sozial kompetente, global denkende wundervolle Menschen geworden. Ich bin glücklich in meinem Umfeld und hatte zu keiner Zeit Probleme mit der Annäherung von Menschen aus Ost und West, nicht 1990 und auch nicht 20 Jahre danach.”

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