“Ich wollte meine Visionen verwirklichen”

1990 begann Dörte Thie im Keller ihres Wohnhauses im brandenburgischen Blankenfelde ein Zahntechnik-Studio einzurichten. “Ich wollte meine beruflichen Geschicke selbst in die Hand nehmen und meine Visionen verwirklichen”, erzählt die dreifache Mutter rückblickend. Was als Ein-Frau-Betrieb begann, entwickelte sich schnell zu einem renommierten Unternehmen in der Region. Heute zählt das “Dental Studie Thie” 15 Mitarbeiter und drei Lehrlinge. Mindestens einen Ausbildungsplatz im Jahr stellt die Unternehmerin zur Verfügung. “Ich bin der Meinung, dass es nicht nur für den Betrieb besonders wichtig ist, Nachwuchs zu fördern, sondern für den gesamten Berufsstand und die regionale Bevölkerungsentwicklung.” Dabei sei es nicht immer einfach, Lehrlinge in der kleiner werdenden Region zu finden. “Der Trend geht in die großen Kliniken”, erklärt die 51-Jährige. Wie sie es dennoch schafft, den Nachwuchs nach Blankenfelde zu holen und warum die Kleinstadt der ideale Ort für ihre Familie ist, schreibt Dörte Thie in unserem Blog. Wir freuen uns, dass Dörte Thie beim IV. Kongress FMNL in Leipzig einen Gesprächskreis moderieren wird :


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Vor über 20 Jahren begann Dörte Thie im brandenburgischen Blankenfelde im Keller ihres Hauses ein Zahntechnikstudio einzurichten. Heute ist das "Dental-Studio Thie" ein wichtiges Unternehmen in der Region und zählt bereits 15 Mitarbeiter.


DÖRTE THIE: “Vor über 20 Jahren führte mich die Liebe zu meinem Mann von Mecklenburg nach Blankenfelde in Brandenburg, wir bauten ein Eigenheim und schon zu diesem Zeitpunkt stand fest, dass ich meine beruflichen Geschicke selbst in die Hand nehmen möchte. Ich wollte meine Visionen verwirklichen.

Was dann 1990 im Keller unseres Wohnhauses als 1-Frau-Betrieb begann, entwickelte sich rasch zu einem renommierten Unternehmen in der Region mit zur Zeit 15 Mitarbeitern. Schnell wurden die Kellerräume für die wachsende Mitarbeiterzahl und die Gerätetechnik zu klein und ein Umzug in größere Räume verhalf uns nicht nur zu mehr Platz und Licht, auch konnten neue und innovative Geräte Platz im neuen Labor finden.
Die Unternehmensspitzen des Dental-Studios sind heute die Implantattechnik, von der computergestützten Planung bis hin zur definitiven Versorgung, aber auch die klassische Zahntechnik wie die Teleskop-Galvanotechnik und die Herstellung von computergestützten Kronen und Brücken aus Zirkonoxidkeramik.

Besonderen Wert lege ich auf eine enge Zusammenarbeit mit den Behandler (Zahnärzten und Chirurgen) und dabei auf eine umfassende Patienteninformation und Beratung. Dafür haben wir ein besonderes Projekt entwickelt, was je nach Wunsch in den Zahnarztpraxen oder in unserem Labor angeboten wird. Patientenakademie, Patientenberatungstage oder spezielle Themensprechstunden sind die Bausteine dieses Projektes. Mit unserer Arbeit verstehen meine Mitarbeiter und ich uns als Dienstleister. So ist unser Slogan: „Im Dienste Ihres Lächelns“ schon seit vielen Jahren für uns Programm. Jeder hergestellte Zahn ist ein Unikat. Wir fertigen in unserem Dental-Studio mit sorgfältig ausgebildeten und hochqualifizierten Zahntechnikern der Natur nachempfundene Zähne an. Bei der Herstellung bringen wir nur hochwertige und biologisch verträgliche Materialsysteme zur Anwendung.

Charme einer Kleinstadt: Damen mit Regenschirmen auf Rädern


Ich brauchte etwas Zeit um mich im Brandenburgischen Blankenfelde einzuleben, zumal der Ort so ganz anders war als die Kleinstadt in Mecklenburg. Der Ort glich eigentlich einer Schlafstadt ohne zentralen Ortskern. Die Geschäfte und Einrichtungen (Arztpraxen, Kindergärten) waren in ehemaligen Wohnhäusern untergebracht, weite Wege waren zu bewältigen und ein Fahrrad unerlässlich. Aber auch das hatte Charme, besonders die Damen mit Regenschirmen auf dem Rad – so etwas kannte ich aus dem Norden nicht und es amüsiert mich noch heute.

“Die Bedingungen für Familien und Kinder sind hier sehr gut”

Dennoch waren und sind die Bedingungen für Familien mit Kindern hier sehr gut. Ob Krippen und Kindergärten, Schulen, Versorgungseinrichtungen und S-Bahnstationen – alles befindet sich in der Nähe, das ist besonders angenehm. Meine anfängliche Sehnsucht nach Ostseewasser und Buchenwäldern hat nun auch das Heimatgefühl zu märkischem Sand und weiten Wiesen in mir Fuß gefasst. Unsere Kinder können hier mit dem nötigen Respekt zur Natur und den Menschen aufwachsen. Nicht nur meine Kinder, auch die Kinder meiner Mitarbeiter konnten uns jederzeit schnell im Betrieb besuchen oder ich konnte Kontakte zu den Einrichtungen pflegen ohne größeren Aufwand, auch einmal in der Schule vorbeischauen, z.B. zu einer Theateraufführung oder ähnlichem.

Diese persönlichen Kontakte pflege ich auch heute noch, z.B. führe ich Bewerbungstraining mit Schülern durch. So erhalten die künftigen Bewerber aus erster Hand Informationen wie sich ein Unternehmer seinen zukünftigen Azubi vorstellt und welche Erwartungen an ihn und sein Auftreten beim Bewerbungsgespräch gestellt werden.

Die Lehrlingsauswahl wird immer schwieriger

Immer weniger Jugendliche bewerben sich um einen Ausbildungsplatz in der Zahntechnik, waren es vor fünf Jahren noch ca. 150 Bewerbungen, sind es jetzt pro Jahr nur noch ungefähr 25. Um so größer sind unsere Anstrengungen, Jugendliche für unseren Betrieb zu interessieren.

Auf verschiedenen Ausbildungsmessen oder durch spezielle Flyer stellen wir unseren Beruf vor und versuchen, junge Menschen für den Zahntechnikerberuf zu begeistern. Ich stelle jedes Jahr mindestens einen Ausbildungsplatz zur Verfügung. Ich bin der Meinung, dass es nicht nur für den Betrieb besonders wichtig ist, Nachwuchs zu fördern, sondern für den gesamten Berufsstand und die regionale Bevölkerungsentwicklung. Denn wer im Ort oder der Region seinen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz hat, kann auch hier seinen Lebensmittelpunkt finden. Denn nicht zuletzt ist jedes auszubildende Mädchen in unserer Region auch eine potentielle Mutter – und nur so können wir der Abwanderung junger Menschen aus der ländlichen Region und der Altersdemografie entgegenwirken.

Die Auswirkungen des demografischen Wandels machen sich nicht nur in der Anzahl der Kinder bemerkbar, auch die Altersstruktur der Mitarbeiter im Unternehmen, unseren Kunden und unseren Patienten bekommen wir zu spüren. Unser Kundenklientel wird immer älter und die Praxisübergabe schwieriger – nicht jeder Behandler hat einen Sohn oder eine Tochter, die in die Fußstapfen der Eltern tritt um die Praxis weiter zu führen. Junge Zahnärzte zieht es nach der Ausbildung nicht unbedingt aufs Land oder in die Randgebiete, da geht der Trend in die großen Kliniken. Daher bieten wir für unsere Kunden, Seminare zur Praxisabgabe oder Praxisübernahme an, wir haben Netzwerke gebildet, um Kontakte zu knüpfen mit Abgabewilligen und Neustarter, zur Zeit aber noch mit mäßigem Erfolg.

“Der frühe Kontakt zu Studenten und Meisterschülern ist unerlässlich”

Aber es ist wichtig die Betroffenen, ob nun Praxis- oder Laborinhabern, früh für dieses Thema zu sensibilisieren. Auch der frühe Kontakte zu Studenten der Zahnmedizin oder Meisterschülern der Zahntechnik ist unerlässlich, um ihnen die Attraktivität der Region – auch etwas außerhalb des so genannten „Speckgürtels“ einer Großstadt – aufzuzeigen.

Ein weiteres Problem, das aus der immer weiter schwindenden Bevölkerungszahl entsteht, ist ein gewisser Fachkräftemangel. Daher ist es in unserem Beruf unerlässlich, die computergestützte Fertigungsstrecken mitzunutzen und in unseren Produktionsalltag zu integrieren. Schade ist, dass dadurch sicherlich ein großer Teil der handwerklichen Tätigkeiten verloren geht und durch Computer und Maschinen ersetzt werden, die wesentlich schneller, präziser und günstiger produzieren können. Wir sind daher bestrebt, unsere Fähigkeiten weiter auf die individuelle und ästhetische Gestaltung des Zahnersatzes zu legen sowie mehr Gewicht auf die Persönlichkeit und den Service zum Kunden und Patienten auszubauen, um somit die traditionelle Handwerkstechnik mit moderner Fertigungstechnologie zu verbinden.”

Dörte Thie wird auf dem IV. Kongress “Frauen machen Neue Länder – Mehr Raum für starke Frauen!” einen kleinen Gesprächskreis moderieren. Mehr über Dörte Thie können Sie unter “Sprecherinnen” lesen.

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