Was macht die Generation der Wendekinder aus? Welche Erfahrungen verbinden junge Frauen und Männer aus Ostdeutschland, die ihre Kindheit noch in der DDR verbrachten, ihre Ausbildung und ihren Berufseinstieg aber in einem Gesellschaftssystem erlebten, dessen Prinzipien ihnen niemand so richtig beigebracht hatte? Und: Wo sind heute die starken ostdeutschen Stimmen im Mediendiskurs zur Zukunft Ostdeutschlands? Diese Fragen beschäftigen Adriana Lettrari, die Initiatorin der Konferenz 3te Generation Ostdeutschland. Erste Antworten darauf gab ein Treffen von 150 Frauen und Männern der 3ten Generation Ostdeutschland in Berlin, realisiert von Lettrari und ihrem Team. Wir freuen uns, dass Adriana Lettrari beim IV. Kongress FMNL in Leipzig einen Gesprächskreis moderieren wird:
»Die neue Erfahrung findet sich hinter der Grenze der alten. Das Potenzial der Dritten Generation Ostdeutschland zu entdecken, zu zeigen und zu nutzen ist die Kraft hinter meiner Idee.« Adriana Lettrari
ADRIANA LETTRARI: “In Neustrelitz geboren und in Rostock aufgewachsen musste ich in meinen 31 Lebensjahren erst nach Hamburg, Berlin, Dar Es Salaam (Tansania, Afrika), Kapstadt (Südafrika) und Brüssel (Belgien) gehen, um auf die wichtigste aller Fragen zu stossen: Wo komme ich eigentlich wirklich her? Was sind meine Wurzeln, damit ich meine Flügel richtig entfalten kann? Sich mit Ostdeutschland und dem Ostdeutsch-Sein zu befassen war bislang in ein, so schien mir, kollektives Schweigen gehüllt. „Man“ sprach einfach nicht darüber und ein Blumenstrauß war damit im professionellen Umfeld schon gar nicht zu gewinnen.
Vor dem Hintergrund meiner persönlichen Geschichte, aber auch als Politik- und Kommunikationswissenschaftlerin wurde mir 2009 jedoch bewusst: Ich kann in meiner persönlichen Entwicklung nicht weitergehen auf der Grundlage der bisherigen Ost-West Debatte in der Elterngeneration. Und ich wollte wissen, ob es anderen auch so geht.
Überglücklich war ich, als zehn FreundInnen, Bekannte und KollegInnen auf einem ersten “Soundingboard”, zu dem ich einlud, sagten: Ja, mir geht es genauso! Und noch glücklicher war ich, als wir die finanzielle Unterstützung der Stiftung Aufarbeitung und des Collegium Hungaricums erhielten. Um eine Entscheidungsautonomie gegenüber renommierten Stiftungen als potentiellen Träger zu erhalten, war es mir wichtig, zur Umsetzung unseres Vorhabens eine gemeinnützige Unternehmensgemeinschaft zu gründen, welche auch zukünftig gemeinnützige Projekte fördern kann. Die Wendkind gUG bietet nun einen rechtlichen Rahmen für Projekte, welche sich mit Veränderungs- und Transformationsprozessen befassen möchten.
„Die Vorstellung ist wundervoll, aber noch wundervoller ist das Erlebnis!“ Oscar Wilde
Der Traum hat begonnen: Die Dritte Generation Ostdeutschland hat sich auf den Weg gemacht! Vom 8. bis 10. Juli 2011 begegneten sich in Berlin 150 in Ostdeutschland geborene 25 bis 35jährige auf Einladung des Projektteams „3te Generation Ostdeutschland“ und mit Unterstützung der Stiftung Aufarbeitung, des Collegium Hungaricum und der Wendekind gUG.
Die Luft flirrte genau so, wie ein Jahr zuvor: am 1. Juni 2010 – dem Kindertag. Hier traf das Team zum ersten Mal auf einem Soundingboard – bis tief in die Nacht, um sich über ihre persönlichen Geschichten zu der Tatsache auszutauschen, die uns alle – bisher in Unkenntnis – verbunden hatte und in Zukunft immer miteinander verbinden wird:
Wir haben unsere Kindheit in der DDR verbracht und sind in der BRD als Jugendliche aufgewachsen, haben unsere Ausbildung und unseren Berufseinstieg in einem Gesellschaftssystem erlebt, dessen Prinzipien uns eigentlich niemand so richtig beigebracht hat. Deren Vorbilder wir nicht in unseren direkten Familien finden konnten. Mit unseren Eltern, welche nach 1989 in ihrer “zweiten Pubertät” mit ihren eigenen Umbruchserfahrungen beschäftigt waren, das neue System verstehen und sich zurecht finden mussten.
Als sich alles änderte, schwammen wir mittendrin
Wie ist es UNS dabei damals ergangen? Als sich alles änderte und wir mittendrin schwammen? Welchen Raum hatten WIR damals, über unsere Fragen, Unsicherheiten und Wünsche zu sprechen? Und welchen Weg haben wir bis jetzt zurückgelegt?
Seit 2009 beschäftigen mich diese Fragen, weil es mir unbegreiflich war WIE und WER im Zuge der Feierlichkeiten zu 20 Jahren friedlicher Revolution über die Entwicklungen in Ostdeutschland und die Deutsche Einheit sprach: In der Regel westdeutsche etablierte männliche Persönlichkeiten und vielleicht noch Wolfgang Thierse oder Gregor Gysi (zum Beispiel bei Anne Will am ….).
Die Dritte Generation besitzt ein hohes Maß an Pragmatismus und Kreativität
Diese Tatsache wird sich nun nach dem grandiosen Treffen der Dritten Generation Ostdeutschland, welches überwältigender nicht hätte sein können, ändern. Denn Einigkeit besteht seitdem darüber, dass die Dritte Generation viel zu sagen hat, da sie durch ihre heterogenen Erfahrungen ein großes Maß an Kreativität und Pragmatismus besitzt (vgl. Raj Kollmorgen – Referent auf unserer Konferenz).
Wir glauben, es handelt sich um Transformationskompetenzen: Ressourcen, welche durch die Bewältigung des Umbruchs entstanden sind. Sie gehören ausgesprochen und eingesetzt – in Ost und West: Für die Entwicklung eines Deutschlands auf Augenhöhe zwischen Ost- und Westdeutschen und als Vorreiter der europäischen Integration Ost- und Westeuropas. Für dieses Ziel engagiert sich das Projektteam und sind alle Interessierten sehr herzlich eingeladen, sich einzubringen.
Kontakt:
www.dritte-generation-ost.de
www.wendekind.org
www.facebook.com/#!/dritte.generation.ost
Schlagwörter: Adriana Lettrari, Dritte Generation Ostdeutschland, Ostdeutsche Elite, Transformationskompetenz, Wendekinder








Hallo Adriana, vor vielen Jahren wohnte die kleine süße Adriana auch in Riesa und wir waren Nachbarn.Es war eine schöne Zeit, bis ihr in den Norden gezogen seid.In Hagenow und Rostock haben wir euch noch besucht. Leider ist der Kontakt dann abgebrochen. Ich freue mich über Ihre schöne Entwicklung und bin besonders über die Etappe Tansania erfreut, das wir auch schon besuchten.Ich habe mich bemüht, Muttis Adresse zu bekommen. Allerdings ohne Erfolg. Wir hoffen, dass es ihr gut geht.Wenn sie möchte, soll sie sich doch melden.
Viel Glück bei dem Projekt, von dem Kati -unsere Tochter- im Radio gehört hat. Sie meinte, die Stimme gehört Renate!
Meine Meinung: genauso wie ihr es wollt, ist es richtig: selbstbewusst,aktiv, Zivilcourage… Alles Gute
Was ist mit den Menschen der zweiten Generation? Aufgewachsen und Ausbildung im Osten Deutschlandes und dann der Bruch. Auf einmal war überall Ausland, die Eltern arbeitslos und man wurde der Heimt vertrieben und musste in den Westen ziehen, arbeitete sich erfolgreich hoch, hat das Gefühl hier nie angekommen zu sein. Dier Menschen haben sich verändert. Trotzdem, und ich weis nicht warum, bekomme ich sehr schnell einen Draht mit Menschen aus Ostdeutschland. Ich habe das Gefühl, dass sie wie ich nach mehr suchen als nach materieller Befriedigung. Als kennen wir ein Geheimnis, dass andere Menschen aus dem Westen nie sehen können und werden.