Archiv für ‘Anchor-Bloggerin’ Kategorie

“Coole Typen, Glitzer und Ideen”

Samstag, 2. Oktober 2010 von Redaktion FMNL

Im Jahr 1990 war Ulrike Lerchl auf Jobsuche, weil es an ihrem bisherigen Arbeitsplatz hieß: “Kurzarbeit Null”. Die einstige Studentin der “Fachschule für Werbung und Gestaltung” fing kurz darauf in einer jung gegründeten Agentur in Dresden an. Heute ist Ulrike Lerchl Geschäftsführerin dieser Firma, die auch ihren (früheren) Namen trägt: Oberüber | Karger Kommunikationsagentur. “Das man sich so mit seiner Arbeit identifizieren kann, hatte ich nie für möglich gehalten“, sagt die Unternehmerin rückblickend.  Beim III. Kongress “Frauen machen Neue Länder” hält Ulrike Lerchl die Impulsrede “Erfolg braucht Partner – Unternehmenskultur und Karrieremodelle in Ostdeutschland”. Doch zuvor lässt die erfolgreiche Dresdnerin ihr persönliches Wendejahr 1990 in unserem Blog  Revue passieren.

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Ulrike Lerchl im Jahr 1990 – Foto: privat


ULRIKE LERCHL: “1990 – es scheint eine Ewigkeit her zu sein, so als hätte es ein altes und ein neues Leben in meinem Leben gegeben. Ich war noch nicht mal 30 als die so genannte Wende kam und ich habe mich irrsinnig gefreut. Wir alle haben uns gefreut, meine Familie, meine Freunde, Kollegen und Bekannte. Es hatte etwas Unrealistisches und irgendwie dachte ich, dass das doch niemals für immer jetzt so sein kann, wie wir es uns alle gewünscht haben, auf den Montagsdemos, vor dem Hauptbahnhof als uns die Wasserwerfer trafen, bei konspirativen Buchlesungen oder verbotenen Liederabenden in der Kirche.
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“Großmutter sagte: Geht nach drüben!”

Samstag, 2. Oktober 2010 von Redaktion FMNL
Agnes Scharnetzky war 1990 drei Jahre alt. Für sie selbst war das größte Ereignis im Jahr der Einheit die Geburt ihrer Schwester Elisabeth. Für ihre Eltern bedeutete die stürmischen Wendezeit vor allem Verunsicherung: “Drei Kinder zu Hause und rund herum nichts gewisser, als das alles in Frage steht”. Die Großmutter empfahl „nach drüben“ zu gehen. Doch die Familie blieb. Heute ist Agnes Scharnetzky, 22 Jahre alt, frisch verheiratet und Vorstandsvorsitzende des Vereins Aktion Zivilcourage e.V. in Pirna/Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Auf dem III. Kongress “Frauen machen Neue Länder – Frauenkarrieren in Ostdeutschland” wird Agnes Scharnetzky einen Gesprächskreis leiten.

Agnes Scharnetzky hält ihre kleine Schwester Elisabeth auf dem Arm (1990)

Agnes Scharnetzky hält ihre kleine Schwester Elisabeth auf dem Arm (1990); Foto: privat


AGNES SCHARNETZKY: “Es gibt ein Bild, von mir, dass ca. vor 20 Jahren entstanden ist. Es ist, glaube ich, eines der ersten Farbbilder von mir und ich meine mich auch noch schemenhaft an die Situation erinnern zu können, als es aufgenommen wurde. Ich musste mich ganz ruhig in den Sessel setzten und ganz hinter rutschen, damit ich sicher sitze. Die Füße reichten gerade soweit vor, dass sie in der Luft hingen. Dann wurde mir von meiner Mutter oder meinem Vater ein Kissen in den Schoß gelegt und anschließend habe ich meine Arme so gehalten, wie ich es mit meiner Babypuppe Anne schon fleißig geübt hatte. Alles war sorgfältig vorbereitet für den großen Moment, ich durfte meine kleine Schwester Elisabeth halten, die im Juni 1990 geboren worden war. Stolz und ein bisschen verunsichert schaue ich als dreijährige auf den Säugling in meinem Arm.
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“Kranführerinnen waren jetzt out”

Samstag, 2. Oktober 2010 von Redaktion FMNL

“Kunststudenten sind wahrscheinlich immer ein eher widerspenstiger, revolutionärer Haufen”, sagt Anke Domscheit-Berg rückblickend. In der Zeit der friedlichen Revolution tippte die angehende Künstlerin Aufrufe des Neuen Forum und schrieb Eingaben an das DDR Postministerium. Als die Mauer fiel, tanzte die Studentin gemeinsam mit hunderten Menschen auf der Mauer am Branderburger Tor und träumte von einer Gesellschaft, in der alle gleiche Chancen haben. Heute arbeitet die 42-Jährige als Director Government Relations bei Microsoft Deutschland in Berlin und engagiert sich für Frauen in Führungspositionen. Welche Ideale sie als Jugendliche verfolgte und was der Fall der Mauer für Ihre Träume bedeutete, lesen Sie hier:

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Anke Domscheit-Berg 1990 (Selbstportraits aus ihrer Zeit als Kunststudentin); Fotos: privat

ANKE DOMSCHEIT-BERG: “Am 09. November 1989 studierte ich an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg Textilkunst. Mein Traum vom Leben enthielt das Bild eines abgelegenen Bauernhofs im Oderbruch, wo ich als freie Künstlerin ein freies, unabhängiges und romantisches Leben führen wollte. Im Wendesommer kam das Studium jedoch an zweiter Stelle, Wende war wichtiger. Ich tippte nachts Aufrufe des Neuen Forum auf der Schreibmaschine meines Großvaters ab, schrieb Eingaben an das DDR Postministerium als das Glasnostjournal Sputnik verboten wurde, schrieb auch leidenschaftliche Protestbriefe an den Leiter eines Gefängnisses in Halle, in dem mein bester Freund schikaniert wurde.

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Eine Kellnerinnenlehre im Interhotel?

Samstag, 2. Oktober 2010 von Redaktion FMNL

“Der Weg ist das Ziel!” Im Jahre 1990 wusste die 15-Jährige Jana Walther noch nicht, ob sie Karriere oder Familie wollte. Heute hat die 36-Jährige beides: Beruflichen Erfolg und eine Familie, die ihr den Rücken stärkt. Seit 2008 managt Jana Walther die Potsdamer Bahnhofspassagen, davor das Centermanagement im City Carré Magdeburg. Seit Kurzem ist sie Mutter von Zwillingen – einem Jungen und ein Mädchen. “In den entscheidenden Situationen habe ich die richtigen Entscheidungen getroffen!” Wir fragten die gebürtige Chemnitzerin nach ihrem Lebenstraum im Jahr 1990.

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Jana Walther 1989 und heute (Fotos: privat)


JANA WALTHER: “Ich bin 1974 geboren und in Karl-Marx-Stadt (jetzt Chemnitz) aufgewachsen. Mein Vater war als Haustechniker im Hotel und meine Mutter als kaufmännische Angestellte tätig. Ohne die Wiedervereinigung hätte ich die Schule 1991 in der 10. Klasse abgeschlossen und eine Lehre als Kellnerin im Interhotel (dem ersten Haus am Platz) begonnen. Als Lebenstraum würde ich das nicht bezeichnen, aber damals war dies ein stark nachgefragter Ausbildungsberuf.
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Über Nacht in einer neuen Welt

Samstag, 2. Oktober 2010 von Redaktion FMNL

Die Sehnsucht nach der Großstadt zog Steffi Haubold im Jahr 1987 mit Ihrer Familie nach Ost-Berlin. “An keinem anderen Ort in Deutschland schlugen die Veränderungen so blitzartig ein.” Die spannenden Jahre nach 1989 brachten die zweifache Mutter mit McDonald’s Deutschland zusammen. Sie half das Geschäft in den neuen Bundesländern aufzubauen und führt heute als Franchise-Nehmerin zwölf McDonald’s Filialen in Berlin und Brandenburg. Am 04. November in Leipzig wird Steffi Haubold gemeinsam mit ihrer Tochter Victoria  an der Podiumsdiskussion “Zukunftsweisende Modelle für den Aufstieg von Frauen” teilnehmen. Wir haben die erfolgreiche Unternehmerin nach ihrem Lebenstraum im Jahr 1990 gefragt.

Foto: Steffi Haubold mit Sohn und Tochter 1990

Steffi Haubold mit Sohn und Tochter 1990 (Foto: privat)


STEFFI HAUBOLD:
“Wir schreiben das Jahr 1990 – mitten im Babyjahr nach der Geburt des zweiten Kindes, der Mann noch im Studium und die Welt ringsherum über Nacht neu. An keinem anderen Ort in Deutschland schlugen die Veränderungen so blitzartig ein wie in Berlin. Ach ja, neues Geld gab es auch noch. Um gleich einmal ganz unromantisch zu sein, es gab da keinen bewusst empfundenen Lebenstraum. Das tägliche Leben war ein einziger Traum, jedoch mit ständig wechselnden Vorzeichen.
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Wie funktioniert die Marktwirtschaft?

Samstag, 2. Oktober 2010 von Redaktion FMNL
Bruderkuss und Trabi  auf Berliner Mauer (Foto: Brackkratze)

Bruderkuss und Trabi auf Berliner Mauer (Foto: Brackkratze)


Als im Jahr 1989 die Mauer fiel, war für Astrid Stolze klar: “Ich will das Wirtschaftssystem der freien Marktwirtschaft von Grund auf verstehen.” Also studierte sie in Frankfurt/Main Betriebswirtschaftslehre und finanzierte sich das Studium durch die Arbeit bei einem Automobilzulieferer. Sie bereiste die Welt und entdeckte Rom als ihre Lieblingsstadt. Heute ist die 44-Jährige Mutter einer Tochter und Direktorin der Mercedes-Benz Niederlassung und des smart Centers in Magdeburg. Am 4. November 2010 in Leipzig spricht Astrid Stolze auf dem Podium “Zukunftsweisende Modelle für den Aufstieg von Frauen”.

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Astrid Stolze – Foto: privat


ASTRID STOLZE:
“Zunächst war ich überglücklich und habe mich über die Wiedervereinigung beider deutschen Staaten sehr gefreut. Endlich frei leben und entscheiden zu können, meine eigene Entwicklung selbständig und frei in die Hand nehmen zu können war für mich ein großes Glück!

Im Einigungsjahr 1990 habe ich mich für das Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Johann-Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main beworben. Mein Wunsch war es, durch dieses Studium das Wirtschaftssystem der freien Marktwirtschaft von Grund auf zu verstehen und mir das Wissen über betriebswirtschaftliche Kennzahlen und Systeme und modernes Management sowie Marketing anzueignen.
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Hohes C und haarlose Strümpfe

Samstag, 2. Oktober 2010 von Redaktion FMNL

Unbegrenzten Zutritt zu Orangensaft und Nylonstrumpfhosen war der Traum der damals achtjährigen Anne Gorke im Jahre 1990. Heute entwirft die 28-Jährige ihre Strumpfhosen selbst. Vor zwei Jahren gründete Anne Gorke zusammen mit Antje Wolter das Label VILDE SVANER (dänisch: Wilde Schwäne) in Weimar. Die Designerinnen entwerfen Mode für Männer und Frauen aus ökologisch einwandfreien Materialien – mit Erfolg. Auf dem III. Kongress “Frauen machen Neue Länder” wird Anne Gorke einen Gesprächskreis leiten. Für Ostfrauen_Blog versetzte sich die gebürtige Weimarerin zurück in ihre Kindheit und verrät, welches ihre größten Wünsche im Einheitsjahr 1990 waren.

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Anne Gorke im Alter von acht Jahren 1990 (Foto: privat)


ANNE GORKE: “1990 war ich ja erst acht Jahre alt. Mein Traum bestand wohl darin, Hohes C Trinkpäckchen zu bekommen, Fix und Foxi zu lesen und bunte Anziehsachen zu haben. Meine Kindheit empfand ich in der DDR nie eingeschränkt. Wenn man so klein ist, versteht man vieles anders. Und sieht es nicht als Benachteiligung oder eingeschränkte Freiheit.
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Willkommen im Ostfrauen_Blog!

Dienstag, 28. September 2010 von Redaktion FMNL


Warum wir bloggen


“Der richtige Zeitpunkt ist immer JETZT – Danke für die Veranstaltung JETZT!”, schrieb eine junge Frau auf dem II. Kongress “Frauen machen Neue Länder – Stark durch die Krise” 2009 in unser Gästebuch.  Mit der Eröffnung des “Frauen machen Neue Länder”-Blogs, am 1. Juli 2010, möchten wir JETZT zu IMMER machen!

“Frauen machen Neue Länder”-Blog wird den Esprit der jährlichen Tagungen “Frauen machen Neue Länder” ins WEB 2.0 tragen und unserem jungen Netzwerk ein attraktives Forum bieten.
Wenn Sie Informationen rund um den Blog und Kongress wünschen, schreiben Sie uns einfach eine E-Mail mit den Betreff “Newsletter” an frauenmachenneuelaender@familienservice.de
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“Das Wort ‘Rabenmutter’ fällt zu oft”

Montag, 6. September 2010 von Redaktion FMNL
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Dr. Martina Münch, Ministerin im Land Brandenburg – Foto: oh


Seit 2009 ist Dr. Martina Münch Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur im Land Brandenburg.
Bevor sie in die Politik wechselte, arbeitete die gebürtige Heidelbergerin viele Jahre als Ärztin in der Neurologie.

Wir fragten die siebenfache Mutter, inwiefern sich gerade in den Neuen Ländern Strukturen finden, die eine Karriere für Frauen ermöglichen.
Lesen Sie hier ihre Antwort:


DR. MARTINA MÜNCH: “Die Rabenmutter! Hat eigentlich jemand mal geprüft, ob eine echte Rabenmutter ihre Kinder tatsächlich im Stich lässt?

Wer dies getan hätte, wüsste, dass Rabenmütter ihre Jungen keinesfalls vernachlässigen.

Der Begriff ist da und hat sich eingebürgert. Doch seit einiger Zeit geht eine seltsame Wandlung  mit dem Wort einher.

Wurden früher die Mütter als Rabenmütter bezeichnet, die ihre Kinder verließen oder zur Adoption freigaben, sind es heute immer mehr die berufstätigen Mütter.

In den Neuen Bundesländern fällt der Begriff recht selten. Dass Mütter auch berufstätig und finanziell selbstständig sind, gehört hier zum Normalfall. Im Jahr 2007 gehörten rund 70% aller Paare zum Zweiverdiener-Modell. In 41% der Fälle gingen beide Partner Vollzeit arbeiten, 28% der Frauen arbeiteten Teilzeit.

Viele Frauen entscheiden sich gegen Kinder


Viele junge Frauen stellen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht infrage, denn sie haben an ihren Müttern gesehen, dass man es schaffen kann. Trotzdem nimmt die Anzahl derjenigen zu, die sich gegen Kinder und für die Karriere entscheiden. Warum ist klar: Karriere verbindet man mit beruflichem Aufstieg, Kinder mit Stillstand. Karriere bedeutet mehr Geld, Kinder weniger Geld.

Dass solche Vergleiche jedoch oft hinken, zeigen all die guten Beispiele von Frauen, die auch mit Kindern äußerst erfolgreich sind. Natürlich wäre es wünschenswert, dass es mehr Frauen in Führungspositionen gäbe. Aber allein die Vereinbarung von Kind und normalem Beruf erfordert schon eine organisatorische Höchstleistung.

In den Neuen Ländern können die Frauen auf ein gutes Netz aus Kindertagesstätten und Tagesmüttern zurückgreifen. Auch das Angebot an Ganztagsschulen spielt hier eine wichtige Rolle. Doch nicht nur die Kinder, auch die Frauen wollen gut versorgt sein. Viele Arbeitgeber bieten Gleitzeit oder planbare Schichtsysteme an.

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“Ich wollte etwas erreichen”

Montag, 6. September 2010 von Redaktion FMNL


Steffi Haubold, Geschäftsführerin der Steffi Haubold Betriebs GmbH & Co. KG in Berlin, leitet als Franchise-Nehmerin zwölf McDonald’s Restaurants mit über 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in Berlin und Brandenburg. “Unterstützung ist für eine Karriere unerlässlich”, sagt Haubold, die vor allem auf die Familie vertraut, auf ihren Ehemann und die beiden erwachsenen Kinder Victoria und Dustin. “Mein größter Berater war und ist mein Mann.” Für Ostfrauen_Blog schreibt sie über Ihre Vorbilder, warum die härteste Kritik zuhause stattfindet und weshalb es gut ist, Freunde zu haben, die nicht über die Karriere sprechen wollen.

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Steffi Haubold, Geschäftsführerin der Steffi Haubold Betriebs GmbH & Co. KG, Berlin – Foto: oh


STEFFI HAUBOLD: “Ich habe nie bewusst eine Karriere im derzeitigen gesellschaftlichen Verständnis angestrebt, sondern mich einfach angestrengt.

Ich wollte etwas erreichen, wo auch immer dies hinführt. Unterstellen wir also einmal, dass ich „Karriere“ gemacht habe und hoffentlich noch dabei bin.

Diese Karriere hat mir derzeit eine volle Arbeitswoche und die Verantwortung für über 500 Mitarbeiter beschert.

Ich glaube ganz fest, dass eine Karrierefrau drei Partner braucht: das Vorbild, den Mentor und den Unterstützer.

Ein Vorbild zu finden war für mich recht einfach.Es waren die agilen Frauen in der DDR, die Beruf, Familie und die Nöte des Alltags einfach angepackt haben. Diese Frauen waren starke und geachtete Persönlichkeiten, die ihr Leben gelebt haben. Deswegen habe ich heute manchmal zu wenig Verständnis für die ständige Diskussion, ob nun Karriere oder Familie.

Ich plädiere ganz klar für die Familie


Übrigens hat mich eines dieser Vorbilder, meine Oma, gleich noch sieben Jahre unterstützt. Sie hat in unserem Haushalt als fünftes Familienmitglied gelebt. Sie war gleichzeitig Vorbild und Unterstützer.

Ich plädiere ganz klar für Unterstützung durch die Familie. So hat die Menschheit tausende Jahre funktioniert, das kann nicht falsch sein. Nebenbei lösen sich dann noch ganz andere Probleme der Gesellschaft, aber das nur am Rande.

Meine Erfahrung zeigt, dass ein Mentor im Unternehmen enorm wichtig ist. Forsch auftretende Frauen werden immer noch schnell in die Schublade übermotiviert gesteckt. Es gibt auch andere Wörter dafür, die übrigens nicht nur von Männern gebraucht werden. Häufig stecken andere Frauen dahinter.

Ein Mentor und Förderer hilft ungemein, um sich an Herausforderungen zu versuchen, ohne diese erst über Umwege zu entwickeln. Ich halte es deswegen für ratsam und sinnvoll, sich nach einem Mentor umzuschauen. Wie dabei die Grenze zwischen Beruflichem und Privatem gut balanciert wird? Nun das ist eine Kunst, die eine Frau einigermaßen beherrschen sollte.

Unterstützung heißt nicht immer einer Meinung sein!


Sind Vorbild und Mentor wichtig, so sind die Unterstützer unerlässlich. Mein größter Unterstützer und Berater war und ist mein Mann. Dabei ist es von Vorteil, dass wir, obwohl in völlig verschiedenen Branchen arbeitend, ähnliche Probleme zu lösen haben. Wirtschaftlicher Erfolg, Personalverantwortung, schwierige Kollegen usw.

Unterstützen heißt für uns nicht automatisch immer einer Meinung sein. Meine härtesten Kritikgespräche haben eher zu Hause stattgefunden, wenn mein Mann „Denen“ auch noch nachträglich Recht gegeben hat, die aus meiner Sicht völlig im Unrecht waren.

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“Ich lebe auf Montage”

Montag, 6. September 2010 von Redaktion FMNL

Juliette Guttmann lebt in Berlin, in Zügen, auf Bahnhöfen und seit April auch in Leipzig. Seit Frühjahr 2010 ist die 36-Jährige verantwortlich für Social Media beim Online-Portal der Leipziger Volkszeitung. In ihrem LVZ-Blog “Geschichten aus dem Hinterstübchen” berichtet die gebürtige Heilbronnerin von ihrem Alltag in Leipzig. Das Pendlerleben zwischen Berlin und Leipzig stemmt die Mutter einer 10- und einer 12-jährigen Tochter mit Hilfe ihres in Teilzeit arbeitenden Mannes. Für Ostfrauen_Blog berichtet die Journalistin, wie das “Leben auf Montage” zwischen Familien- und Berufsalltag gelingt und warum es sie nach Leipzig zog.

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Juliette Guttmann, Leiterin Social Media LVZ-Online – Foto: privat


JULIETTE GUTTMANN: “Die Wahrheit ist, wie so häufig, ein wenig schlicht und würde diesen Text auf die Länge eines mittleren Twitter-Beitrags reduzieren. Aber ehrlich soll ja nicht nur am längsten währen, sondern auch Lügen kurze Beine haben. Da meine Extremitäten von Natur aus schon etwas knapp bemessen sind, sage ich es, wie es ist: Leipzig liegt näher an Berlin.

Nach 3,5 Jahren als verantwortliche Kulturredakteurin und Leiterin Community / Entwicklung beim Online-Portal DerWesten.de in Essen und sehr viel Zeit in Zügen und auf verschneiten Bahnhöfen, hat sich für mich die Möglichkeit ergeben, eine neue, herausfordernde Aufgabe in Leipzig bei LVZ-Online, dem Online-Portal der Leipziger Volkszeitung, zu übernehmen und dadurch auch näher bei meiner Familie zu sein.

Will sagen, hätte ein mindestens gleichwertiges Angebot beispielsweise aus München vorgelegen, wäre ich auch nach Bayern gegangen. Während ich ein Berufsleben auf Montage bestreite, kümmert sich mein Mann in Berlin um unsere beiden Töchter.

Diese Lösung hat ihr Gutes, aber auch ihre Schattenseiten. Es gibt keine Großeltern in der Nähe, die uns bzw. meinen Teilzeit berufstätigen Mann in Berlin unterstützen können. Die Gründe dafür, dass wir uns entschieden haben, die Basis der Familie in Berlin zu belassen, sind vielschichtig, letztlich aber pragmatischer Natur und in ihrer Konsequenz nicht immer zwingend zur Nachahmung empfohlen.

Die Planung des Berufs- und Familienalltags erfordert von allen Beteiligten ein hohes Maß an Flexibilität, Verständnis und auch Anstrengung. Es funktioniert, weil es funktionieren muss. Rabenmutter hin oder her, selbstverständlich nehme ich für mich in Anspruch, Karriere zu machen und die Familie zu ernähren und selbstverständlich bin ich nicht der Weisheit letzter Schluss im Hinblick auf Kindererziehung, Ernährung, Hausaufgabenbetreuung, Krankenpflege, saubere Kleidung und zu Zöpfen geflochtenem Haar.

Bin ich sozialer Kälte entflohen?


Ich habe meine (Ost)-Kolleginnen und Kollegen befragt, was mich dazu bewogen haben könnte, nach Leipzig zu kommen (außer der Nähe zu Berlin, der Attraktivität der Stadt und den beruflichen Möglichkeiten). Bin ich, unbewusst, der sozialen Kälte des Westens entflohen? Selbstverständlich habe ich diese Frage in meinem Herzen bewegt.

Im Westen war ich die seltsame Frau aus Berlin oder, um familiengeschichtlich noch weiter zurück zu gehen, Süddeutschland. Trotzdem wurde ich immer sehr gut behandelt und habe die Menschen, denen ich dort begegnet bin und mit denen ich die Freude und Ehre hatte, zusammen zu arbeiten, nur schweren Herzens verlassen.
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“Das Leben anpacken!”

Montag, 6. September 2010 von Redaktion FMNL


Victoria Haubold ist 22 Jahre alt und studiert derzeit an der Internationalen Berufsakademie Berlin in der Fachrichtung Tourismus/Gastronomie und entschied sich für die Firma McDonald’s als Partnerbetrieb. Seit ihrem 15. Lebensjahr jobbt Victoria – Tochter von Steffi Haubold – bei McDonald’s: Früher als Aushilfskraft in der Küche, an der Kasse oder im Kaffee, heute erfüllt sie – neben dem Studium – die Aufgaben einer stellvertretenden Restaurantleiterin, führt Personalgespräche, ist verantwortlich für Arbeitsverträge und vieles mehr. Wir fragten die Studentin, inwiefern die Generation ihrer Mutter und Großmutter, die die DDR noch erlebt haben, den Boden bereitet für heutige Frauenkarrieren? Ihre Antwort lesen Sie hier:

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Victoria Haubold – Foto: privat


VICTORIA HAUBOLD: “Um es gleich im am Anfang klarzustellen: Ich kann diese Frage nicht beantworten! Ich kann lediglich meine Erfahrungen und Eindrücke vermitteln. Der Rest liegt beim Leser.

Schenkt man der Erziehungsphilosophie meines Vaters, die er wohl erst spät gewonnen hat, Glauben, so wird die einzig wirksame Erziehungsmethode durch das eigene Vorbild gepaart definiert – mit Liebe und ein „wenig“ Nachdruck. Gesteht man dem Prinzip Vorbild die große Kraft zu, dann hat mir meine Mutter wohl ein sehr konstruktives Erbe hinterlassen.

Alles anpacken, ohne sich dabei zu überschätzen und nicht über jede Widrigkeit des Lebens zu jammern, das habe ich die letzten 20 Jahre erlebt.

Diese Eigenschaft wird den Müttern, die in der DDR gelebt haben, gerne zugeschrieben. Ich glaube, dass es in der DDR nicht mehr Mütter gegeben hat, die das Leben anpacken und im Beruf erfolgreich sein wollten, als woanders auf der Welt. Da habe ich ja den direkten Vergleich zu den Müttern meiner Freundinnen, die aus aller Herren Länder kommen. Zielstrebigkeit, Ehrlichkeit und Durchhaltewillen, das sind Dinge, die wohl jede Mutter einem Mädchen mit auf den Weg geben will, damit es eine Karriere machen kann.

Kinderkrippen bedeuten keine lebenslange Verhaltensstörung


Mich haben viel mehr die Geschichten und Erzählungen von „damals“ geprägt. Man erfährt quasi nebenbei, wie vor gerade einmal 25 Jahren Frauen ihr berufliches Leben bestritten und dabei erstaunliche Karrieren gemacht haben. Das eigene Leben wird Teil der Erzählungen aus einer „anderen Zeit“.

Man begreift, dass es nicht unbedingt zu einer lebenslangen Verhaltensstörung kommt, wenn man am Tag in der Kinderkrippe ist und die Mutter mal drei Monate lang nur am Wochenende sieht. Die Arbeitsteilung zwischen meinen Eltern habe ich, anders als heute in vielen Familien, als eher zwanglos und ungeplant empfunden.

Man nimmt die Dinge, wie Sie kommen. Wenn ich von einem konstruktiven Erbe sprechen will, dann vielleicht davon, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern nur ein „So könnte das klappen“, „Da lasse ich mir jetzt nicht reinreden“ oder „Den Fehler machen wir dann eben einmal“. Die wichtigste Erinnerung oder das vielleicht wichtigste Erbe ist die vorgelebte Erkenntnis, dass nichts sich gegenseitig ausschließt – wenn man es will.

So wird es für eine Frau, die keine familiäre Unterstützung annehmen will, ihr Kind 24 Stunden am Tag aufwachsen sehen will und auch sonst wenig Kompromisse macht, irgendwann etwas mühsam mit der eigenen Karriere. Aber auch eine Karriere ist ja kein Muss, wenn man es nicht wirklich will.”

Mehr über Victoria Haubold lesen Sie hier