Agnes Muche, 22 Jahre alt, ist seit 2008 Vorstandsvorsitzende des Vereins Aktion Zivilcourage e.V. in Pirna/Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. In einer Region, in der in vielen Gemeinden die NPD stärkste politische Kraft ist, setzt sich die Initiative zur Stärkung von Toleranz und demokratischer Kultur ein. Für Ostfrauen_Blog schreibt die junge Sächsin über das Erbe der DDR, die wirkungsvolle Zusammenarbeit in ihrem Netzwerk und ihre Rolle als Vorsitzende.

Agnes Muche, 22 Jahre, Vorstand Aktion Zivilcourage e.V./Pirna
AGNES MUCHE: “Ich selbst habe die DDR nicht erlebt – zumindest nicht bewusst – und doch spürt man auch in meiner Generation verschiedene Mentalitäten in Ost- und Westdeutschland. 40 Jahre deutsche Teilung und Leben in zwei grundverschiedenen Systemen haben die Menschen geprägt. Daraus Generalisierungen abzuleiten wäre falsch, doch die egalitäre, staatszentralistische Ideologie in der DDR hat Spuren hinterlassen.
Eines hört man besonders häufig: Damals haben wir zusammengehalten, waren ein Kollektiv! Es ist wahrlich kaum Schlechtes daran zu finden: Zusammenarbeit ist wichtig und gut, solange der Einzelne sich nicht aufgeben muss.
Tolerantes Klima statt starrer Ideologien
In der Aktion Zivilcourage erleben wir täglich, wie wichtig Zusammen-Wirken ist, unerlässlich, um Wirkung entfalten zu können. An der Spitze des Vereins steht ein Vorstand, doch er wäre nichts ohne die 60 ehrenamtlichen Mitglieder, die viel Arbeit leisten. Auf der anderen Seite könnten die meisten Projekte nicht umgesetzt werden, ohne das 4-köpfige hauptamtliche Team im Büro.
Und schließlich wäre die gesamte Arbeit weniger wert, stünde dahinter nicht ein Netzwerk von über 80 Partnern, von Kirchgemeinden bis Polizei, von lokalen Gewerbetreibenden bis zum Jugendhaus, die mitarbeiten und mitwirken, um unsere Region gemeinsam aktiv zu gestalten. Es geht dabei nicht darum, Ideologien überzustülpen, sondern ein offenes, demokratisches und tolerantes Klima zu schaffen.
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