Anke Domscheit-Berg arbeitet als Director Government Relations bei Microsoft Deutschland in Berlin. Neben ihrem Beruf engagiert sich die 42-Jährige für Frauen in Führungspositionen, mit dem Ziel, die so genannte gläserne Decke zu durchbrechen – welche bis heute Frauen daran hindert, in hohe Funktionen aufzusteigen. Über ihre eigenen Erfahrungen mit der „gläsernen Decke“ schrieb die Mutter eines zehnjährigen Sohnes u.a. für die Zeit, die taz und ab jetzt als Anchor-Bloggerin auch für Ostfrauen_Blog.

Anke Domscheit, 42 Jahre, Director Government Relationships, Microsoft, Berlin – Foto: Sylvie Weisshäupl
ANKE DOMSCHEIT-BERG: “Ich bin in der DDR geboren, zur Schule gegangen, habe dort gearbeitet und studiert. Genau mein halbes Leben habe ich in diesem verschwundenen Land gelebt – die andere Hälfte im wiedervereinigten Deutschland. Als die Mauer fiel, war ich 21 Jahre alt und mein Charakter im Wesentlichen geprägt. So ist es wenig verwunderlich, dass ich trotz der unleugbaren Einflüsse zufälliger Umstände, vieles von dem was ich erlebt und erreicht habe, auf meine ostdeutsche Sozialisierung zurückführe, auch heute noch – und wohl für den Rest meines Lebens.
Kommentare von Vorgesetzten
Die gläserne Decke wurde mir ein Begriff, nachdem ich mir als Unternehmensberaterin und Mutter eines Kleinkindes in Westdeutschland viele Beulen daran geholt hatte. Die mehr oder weniger direkten Kommentare von Vorgesetzten und Kollegen, die mir nahe legten, mich doch weniger auf Karriere und mehr auf den Nachwuchs zu konzentrieren, um soziale und psychische Schäden des Kindes zu verhindern, haben mich wütend gemacht und frustriert. Sie haben mich jedoch niemals entmutigt. Mein Rabenmutterschweinehund hat trotz häufiger innerer Auseinandersetzungen noch immer den Kampf verloren.
Ostdeutsche Mütter lebten Vereinbarkeit vor
Ich habe mich oft gefragt, ob ich dieses Jahrzehnt der Behinderung ohne das Selbstverständnis, das Grundvertrauen darin, dass Kinderbetreuung einem Kind nicht schadet und dass es mein Recht ist, Kinder zu haben, zu arbeiten und Karriere zu machen, genauso überstanden hätte. Die Normalität der Vereinbarkeit an praktisch allen ostdeutschen Müttern vor der Wende erlebt und verinnerlicht zu haben, hat mir ein Schutzschild gegeben, dass mich kämpferisch, ehrgeizig und auch dickköpfig werden ließ. Aus meiner Biographie kann ich bestätigen, dass Leistung allein nicht zu Karriere führt. Bei mir waren es zwei weitere Eigenschaften, die mir den Aufstieg ermöglicht haben: Charme – denn nichts ist hinderlicher als der Ruf, eine frustrierte Zicke zu sein. Und Penetranz – genährt aus dem Anspruch der arbeitenden Frauen in der DDR: Alles zu dürfen und alles zu können – wenn man es nur will.”
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