Posts getaggt ‘DDR’

“Kranführerinnen waren jetzt out”

Samstag, 2. Oktober 2010 von Redaktion FMNL

“Kunststudenten sind wahrscheinlich immer ein eher widerspenstiger, revolutionärer Haufen”, sagt Anke Domscheit-Berg rückblickend. In der Zeit der friedlichen Revolution tippte die angehende Künstlerin Aufrufe des Neuen Forum und schrieb Eingaben an das DDR Postministerium. Als die Mauer fiel, tanzte die Studentin gemeinsam mit hunderten Menschen auf der Mauer am Branderburger Tor und träumte von einer Gesellschaft, in der alle gleiche Chancen haben. Heute arbeitet die 42-Jährige als Director Government Relations bei Microsoft Deutschland in Berlin und engagiert sich für Frauen in Führungspositionen. Welche Ideale sie als Jugendliche verfolgte und was der Fall der Mauer für Ihre Träume bedeutete, lesen Sie hier:

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Anke Domscheit-Berg 1990 (Selbstportraits aus ihrer Zeit als Kunststudentin); Fotos: privat

ANKE DOMSCHEIT-BERG: “Am 09. November 1989 studierte ich an der Fachschule für Angewandte Kunst in Schneeberg Textilkunst. Mein Traum vom Leben enthielt das Bild eines abgelegenen Bauernhofs im Oderbruch, wo ich als freie Künstlerin ein freies, unabhängiges und romantisches Leben führen wollte. Im Wendesommer kam das Studium jedoch an zweiter Stelle, Wende war wichtiger. Ich tippte nachts Aufrufe des Neuen Forum auf der Schreibmaschine meines Großvaters ab, schrieb Eingaben an das DDR Postministerium als das Glasnostjournal Sputnik verboten wurde, schrieb auch leidenschaftliche Protestbriefe an den Leiter eines Gefängnisses in Halle, in dem mein bester Freund schikaniert wurde.

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“Das Leben anpacken!”

Montag, 6. September 2010 von Redaktion FMNL


Victoria Haubold ist 22 Jahre alt und studiert derzeit an der Internationalen Berufsakademie Berlin in der Fachrichtung Tourismus/Gastronomie und entschied sich für die Firma McDonald’s als Partnerbetrieb. Seit ihrem 15. Lebensjahr jobbt Victoria – Tochter von Steffi Haubold – bei McDonald’s: Früher als Aushilfskraft in der Küche, an der Kasse oder im Kaffee, heute erfüllt sie – neben dem Studium – die Aufgaben einer stellvertretenden Restaurantleiterin, führt Personalgespräche, ist verantwortlich für Arbeitsverträge und vieles mehr. Wir fragten die Studentin, inwiefern die Generation ihrer Mutter und Großmutter, die die DDR noch erlebt haben, den Boden bereitet für heutige Frauenkarrieren? Ihre Antwort lesen Sie hier:

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Victoria Haubold – Foto: privat


VICTORIA HAUBOLD: “Um es gleich im am Anfang klarzustellen: Ich kann diese Frage nicht beantworten! Ich kann lediglich meine Erfahrungen und Eindrücke vermitteln. Der Rest liegt beim Leser.

Schenkt man der Erziehungsphilosophie meines Vaters, die er wohl erst spät gewonnen hat, Glauben, so wird die einzig wirksame Erziehungsmethode durch das eigene Vorbild gepaart definiert – mit Liebe und ein „wenig“ Nachdruck. Gesteht man dem Prinzip Vorbild die große Kraft zu, dann hat mir meine Mutter wohl ein sehr konstruktives Erbe hinterlassen.

Alles anpacken, ohne sich dabei zu überschätzen und nicht über jede Widrigkeit des Lebens zu jammern, das habe ich die letzten 20 Jahre erlebt.

Diese Eigenschaft wird den Müttern, die in der DDR gelebt haben, gerne zugeschrieben. Ich glaube, dass es in der DDR nicht mehr Mütter gegeben hat, die das Leben anpacken und im Beruf erfolgreich sein wollten, als woanders auf der Welt. Da habe ich ja den direkten Vergleich zu den Müttern meiner Freundinnen, die aus aller Herren Länder kommen. Zielstrebigkeit, Ehrlichkeit und Durchhaltewillen, das sind Dinge, die wohl jede Mutter einem Mädchen mit auf den Weg geben will, damit es eine Karriere machen kann.

Kinderkrippen bedeuten keine lebenslange Verhaltensstörung


Mich haben viel mehr die Geschichten und Erzählungen von „damals“ geprägt. Man erfährt quasi nebenbei, wie vor gerade einmal 25 Jahren Frauen ihr berufliches Leben bestritten und dabei erstaunliche Karrieren gemacht haben. Das eigene Leben wird Teil der Erzählungen aus einer „anderen Zeit“.

Man begreift, dass es nicht unbedingt zu einer lebenslangen Verhaltensstörung kommt, wenn man am Tag in der Kinderkrippe ist und die Mutter mal drei Monate lang nur am Wochenende sieht. Die Arbeitsteilung zwischen meinen Eltern habe ich, anders als heute in vielen Familien, als eher zwanglos und ungeplant empfunden.

Man nimmt die Dinge, wie Sie kommen. Wenn ich von einem konstruktiven Erbe sprechen will, dann vielleicht davon, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern nur ein „So könnte das klappen“, „Da lasse ich mir jetzt nicht reinreden“ oder „Den Fehler machen wir dann eben einmal“. Die wichtigste Erinnerung oder das vielleicht wichtigste Erbe ist die vorgelebte Erkenntnis, dass nichts sich gegenseitig ausschließt – wenn man es will.

So wird es für eine Frau, die keine familiäre Unterstützung annehmen will, ihr Kind 24 Stunden am Tag aufwachsen sehen will und auch sonst wenig Kompromisse macht, irgendwann etwas mühsam mit der eigenen Karriere. Aber auch eine Karriere ist ja kein Muss, wenn man es nicht wirklich will.”

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Wer klug ist, lässt die Hüllen fallen!

Dienstag, 27. Juli 2010 von Redaktion FMNL

Millionen Deutsche fahren jeden Sommer ans Meer, an den See oder ins nächste Schwimmbad. Doch wer trägt nun gerne einen Bikini oder Badeanzug und wer badet am liebsten ganz und gar ohne? Das Reiseportal Ab-in-den-Urlaub hat in einer repräsentativen Umfrage Erstaunliches herausgefunden: Je höher der Bildungsgrad, desto mehr Haut wird gezeigt. Allerdings: FKK war in DDR-Zeiten modern, ist aber heute kein wirklicher Trend mehr. Lediglich  jeder siebte Deutsche sonnt und badet gerne unbekleidet – zu diesem Ergebnis kommt eine zweite Umfrage, die im Auftrag des Gesundheitsportals www.apotheken-umschau.de erstellt wurde.

Diorama DDR-Museum, Berlin – Foto: Arne Hendriks

Diorama DDR-Museum, Berlin – Foto: Arne Hendriks


Dennoch gibt es im Osten Deutschlands deutlich mehr passionierte FKK-Bader als in den alten Bundesländern (Neue Bundesländer: 21,6 Prozent; Alte Bundesländer: 12,1 Prozent). Als treue Anhänger der Freikörperkultur outeten sich die Männer und Frauen aus Mecklenburg-Vorpommern (30,1 Prozent), knapp gefolgt von Brandenburg (29,4 Prozent). Im Westen des Landes fühlen sich vor allem die Baden-Württemberger beim Nacktbaden wohl (19,2 Prozent).


Freizügiger mit Abitur: Das Reiseportal Ab-in-den-Urlaub hat in einer repräsentativen Umfrage des Instituts tns emnid zudem herausgefunden: Je höher der Bildungsgrad, desto mehr Haut wird gezeigt. 37 Prozent der Frauen mit einem hohem Bildungsabschluss bevorzugen den Bikini statt den Badeanzug am See oder Strand. Nur 20 Prozent der Frauen mit einem geringeren Schulabschluss (Haupt- oder Realschule) wählen den Bikini als Strandbekleidung. Auch bei den Männern verhält es sich ähnlich: Je klüger, desto kürzer wird die Badehose. Warum der Bildungsgrad Einfluss auf die Vorlieben der Badebekleidung hat, ist allerdings nicht bekannt.

Kleine Unterschiede bei der Wahl der Strandoutfits lassen sich auch zwischen Frauen aus Ost- und Westdeutschland feststellen. Von 517 Befragten zeigen sich die ostdeutschen Frauen insgesamt etwas freizügiger. Während 47 Prozent der westdeutschen Frauen einen Badeanzug bevorzugen, entscheiden sich gerade mal 38 Prozent der ostdeutschen Frauen dafür. Die Frauen aus dem Osten Deutschlands greifen lieber zum Bikini (Ost 28%, West 23%).

Damit verabschiedet sich die Redaktion von Ostfrauen_Blog und geht bis zur Septemberausgabe in die Sommerpause!

Buchtipp: “Die DDR und ihre Töchter”

Donnerstag, 8. Juli 2010 von Redaktion FMNL


Was ist dran, wenn vom spezifischen Selbstbewusstsein der DDR-Frauen gesprochen
wird? Stimmt es überhaupt, dass sich Frauen aus dem Osten anders definierten als ihre
westlichen Schwestern? Waren sie emanzipiert? Und wenn ja, was ist zwanzig Jahre
nach den grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen davon geblieben? Die 1976 in München geborene Journalistin Claudia Wagner wirft in ihrem Buch “Die DDR und ihre Töchter” einen Blick auf die Lebenssituation der Frauen in Ostdeutschland vor 1989.


Die DDR und ihre Töchter

Die Autorin Claudia Wangerin betrachtet das Wechselverhältnis von frauenemanzipatorischen Bewegungen und sozialen Voraussetzungen. Sie zieht historische Fakten aus der frühen proletarischen Frauenbewegung hinzu und benennt die juristischen Grundlagen der DDR-Frauenpolitik.

Nicht alles, was sich im Vergleich zur heutigen Situation als Fortschritt darstellt, wurde damals als solcher empfunden. Erst in der Rückschau, in Interviews, die die Autorin führte mit Frauen, die in beiden Staaten leben und arbeiten, wird deutlich: vieles, was als gegeben galt, ist heute nicht durchsetzbar, muss erkämpft werden.

Denn nicht um Rückblick und Rekonstruktion geht es ihr, sondern um die Frage: Kann uns das Verständnis dessen, was in der DDR mit und für die Frauen geschah, Denkanstöße und Antworten in Bezug auf die Gleichstellung der Frau für die heutige Gesellschaft liefern? (Quelle: Pressetext des Eulenspiegel-Verlags Berlin)

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