Posts getaggt ‘Kind’

Die Sammlerin, die Jägerin…

Donnerstag, 9. September 2010 von Redaktion FMNL


About Hunt and Gathering – Foto: Sylvie Weisshäupl

About Hunt and Gathering – Foto: Sylvie Weisshäupl

Das Bild einer schwangeren Jägerin wählt die Berliner Fotografin Sylvie Weisshäupl, – die im letzten Jahr eine Postkartenserie für “Frauen machen Neue Länder – Stark durch die Krise” fotografierte – als “ideale Darstellung des Ausbruchs aus traditionellen Geschlechterrollen“. Sie überzeugte damit beim Fotowettbewerb “Schwanger schafft leben“.

Die Jury würdigte ihre Fotografie mit dem Sieg: “Das Gewinnerbild erzeugt durch verschiedene Blickwinkel innerhalb des Bildes Spannung und schafft Kontroversen. Einerseits wirkt es durch seine Bildkomposition und Farbgebung wie ein historisches Gemälde, andererseits bringt die Schwangere als Jägerin mit einem erlegten Tier bisherige Weltbilder durcheinander. Die moderne Frau ist nicht mehr nur Sammlerin, sondern auch Jägerin. Es ist ein Bild, das eine Geschichte erzählt, zum Nachdenken anregt und beim Betrachten auch Empören kann.”


Sehen Sie hier die siebenteilige Postkartenserie zum Kongress “Frauen machen Neue Länder – Stark durch die Krise” 2009


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“Ich kenne keine Frau, die verzichtet hätte”

Mittwoch, 28. Juli 2010 von Redaktion FMNL
Prof. Dr. Heike Kahlert, Uni Greifswald – Foto: privat

Dr. Heike Kahlert, Uni Greifswald – Foto: privat


Dr. Heike Kahlert lehrt und forscht am Lehrstuhl für Analytische Chemie und Umweltchemie an der Ernst Moritz Arndt Universität Greifswald. Sie hat drei Söhne, 14, 11 und 7 Jahre alt. “Die Jungs sind sehr selbstständig”, sagt die Alleinerziehende, die Unterstützung vor allem durch die eigene Mutter, die Großeltern väterlicherseits, Freunde und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) erfährt – ein Verein, in dem sie ehrenamtlich tätig ist. Für Ostfrauen_Blog schreibt die gebürtige Brandenburgerin darüber, wie ihr der Spagat zwischen Karriere und Familie gelingt und welche Vorbilder sie prägen.

HEIKE KAHLERT: “Als die Wende kam, war ich 18 Jahre alt. Das heißt, ich habe meine Kindheit und Jugend in der DDR verlebt. Soweit ich mich erinnern kann, gab es in meinem Umfeld nicht eine Frau, die zur Betreuung der Kinder zu Hause geblieben ist und auf ihren Beruf verzichtet hätte.

Aus meiner Sicht haben die Mütter in der DDR etwas ganz besonders geschafft: Den Spagat, in der Familie das klassische Rollenbild der Haushälterin und Mutter zu erfüllen und im Berufsleben voll engagiert zu sein. Das war nur durch Organisationstalent und Selbstdisziplin zu bewältigen. Das sind Eigenschaften, die unsere Mütter sicherlich von ihren Müttern erlernt haben, die in Kriegszeiten und danach ein hartes Leben zu meistern hatten.

Unsere Generation profitiert von diesem Erbe, denn ich kann für mich sagen, dass ich diese Eigenschaften so verinnerlicht habe, dass ich manchmal überrascht bin, wenn ich darauf angesprochen werde, wie ich meine Karriere als Hochschullehrerin, meine drei Kinder und meine ehrenamtliche Tätigkeit in der DLRG unter einen Hut bekommen kann.

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Mit Charme gegen die gläserne Decke

Dienstag, 13. Juli 2010 von Redaktion FMNL


Anke Domscheit-Berg arbeitet als Director Government Relations bei Microsoft Deutschland in Berlin. Neben ihrem Beruf engagiert sich die 42-Jährige für Frauen in Führungspositionen, mit dem Ziel, die so genannte gläserne Decke zu durchbrechen – welche bis heute Frauen daran hindert, in hohe Funktionen aufzusteigen. Über ihre eigenen Erfahrungen mit der „gläsernen Decke“ schrieb die Mutter eines zehnjährigen Sohnes u.a. für die Zeit, die taz und ab jetzt als Anchor-Bloggerin auch für Ostfrauen_Blog.

Anke Domscheit, 42 Jahre, Director Government Relationships, Microsoft GmbH, Berlin

Anke Domscheit, 42 Jahre, Director Government Relationships, Microsoft, Berlin – Foto: Sylvie Weisshäupl


ANKE DOMSCHEIT-BERG: “Ich bin in der DDR geboren, zur Schule gegangen, habe dort gearbeitet und studiert. Genau mein halbes Leben habe ich in diesem verschwundenen Land gelebt – die andere Hälfte im wiedervereinigten Deutschland. Als die Mauer fiel, war ich 21 Jahre alt und mein Charakter im Wesentlichen geprägt. So ist es wenig verwunderlich, dass ich trotz der unleugbaren Einflüsse zufälliger Umstände, vieles von dem was ich erlebt und erreicht habe, auf meine ostdeutsche Sozialisierung zurückführe, auch heute noch – und wohl für den Rest meines Lebens.

Kommentare von Vorgesetzten

Die gläserne Decke wurde mir ein Begriff, nachdem ich mir als Unternehmensberaterin und Mutter eines Kleinkindes in Westdeutschland viele Beulen daran geholt hatte. Die mehr oder weniger direkten Kommentare von Vorgesetzten und Kollegen, die mir nahe legten, mich doch weniger auf Karriere und mehr auf den Nachwuchs zu konzentrieren, um soziale und psychische Schäden des Kindes zu verhindern, haben mich wütend gemacht und frustriert. Sie haben mich jedoch niemals entmutigt. Mein Rabenmutterschweinehund hat trotz häufiger innerer Auseinandersetzungen noch immer den Kampf verloren.

Ostdeutsche Mütter lebten Vereinbarkeit vor

Ich habe mich oft gefragt, ob ich dieses Jahrzehnt der Behinderung ohne das Selbstverständnis, das Grundvertrauen darin, dass Kinderbetreuung einem Kind nicht schadet und dass es mein Recht ist, Kinder zu haben, zu arbeiten und Karriere zu machen, genauso überstanden hätte. Die Normalität der Vereinbarkeit an praktisch allen ostdeutschen Müttern vor der Wende erlebt und verinnerlicht zu haben, hat mir ein Schutzschild gegeben, dass mich kämpferisch, ehrgeizig und auch dickköpfig werden ließ. Aus meiner Biographie kann ich bestätigen, dass Leistung allein nicht zu Karriere führt. Bei mir waren es zwei weitere Eigenschaften, die mir den Aufstieg ermöglicht haben: Charme – denn nichts ist hinderlicher als der Ruf, eine frustrierte Zicke zu sein. Und Penetranz – genährt aus dem Anspruch der arbeitenden Frauen in der DDR: Alles zu dürfen und alles zu können – wenn man es nur will.”

Mehr zu Anke Domscheit-Berg lesen Sie hier.