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“Es gibt sie, die anderen Männer!”

Mittwoch, 28. Juli 2010 von Redaktion FMNL

Anke Domscheit-Berg mit Ihren Ehemann, Foto:oh

Frisch getraut: Anke Domscheit-Berg mit ihrem Ehemann – Foto: privat



“Hingucken lohnt sich!”, sagt Anke Domscheit-Berg. Sie hat den Mann für’s Leben gefunden und weiß, wie entscheidend die Partnerwahl für die Karriere ist. Die 42-Jährige arbeitet als Director Government Relations bei Microsoft Deutschland in Berlin. Neben ihrem Beruf engagiert sie sich für Frauen in Führungspositionen, mit dem Ziel, die so genannte gläserne Decke zu durchbrechen – welche bis heute Frauen daran hindert, in hohe Funktionen aufzusteigen. Über ihre eigenen Erfahrungen beim beruflichen Aufstieg schrieb die Mutter eines zehnjährigen Sohnes u.a. für die Zeit, die taz und ab jetzt als Anchor-Bloggerin auch für Ostfrauen_Blog.


ANKE DOMSCHEIT-BERG: “Ob mit oder ohne Kinder, Karriere machen ohne Unterstützung durch Dritte ist fast unmöglich. Das gilt für Männer genauso wie für Frauen, nur dass Männer regelmäßig mit dieser Unterstützung rechnen können. Ob man bei Freunden und Familie – vor allem der angeheirateten Familie – tatkräftige und moralische Unterstützung findet, variiert sehr stark und hängt manchmal einfach von der Geographie ab.

Eine deutsche Kollegin hatte einen Schweizer geheiratet. Er war Forschungsassistent in der Wissenschaft und reduzierte seine Arbeitszeit, als sie das erste Kind bekam und den nächsten Karriereschritt im Management nahm. Sie verdiente erheblich mehr und für die kleine Familie war es eine gemeinsame Entscheidung, die beide Partner richtig und gut fanden. Die Schwiegerfamilie sah das anders. Als diese Managerin schon im fünften Monat mit dem zweiten Kind schwanger war, hatte sie der Familie ihres Mannes immer noch nichts davon erzählt, weil sie Angst davor hatte. Die beiden Schwestern und die Schwiegermutter warfen ihr schon so die ganze Zeit vor, dass sie die Zukunft ihres Mannes aus purem Egoismus ruinieren würde.

Kann man sich dieses Beispiel mit vertauschten Geschlechterrollen vorstellen? Ich kenne viele Fälle, wo Frauen auch mit höherer Ausbildung, in höherer Karrierestufe und mit höherem Einkommen zuhause bleiben, weil es sich so gehört und der Mann das so erwartet. Haben jemals ihre Familien einen Aufstand geprobt, weil ihre Zukunft ruiniert würde? Ich glaube kaum.

Männer spüren weniger Widerstände

Frauen mit Ambitionen haben es schwerer. In vielen Führungspositionen wird z.B. auch erwartet, dass man an anderen Standorten – auch im Ausland – Erfahrungen sammelt. Männer haben weniger Widerstände zu erwarten, wenn sie ihre Familie einfach mitnehmen wollen, als Frauen in der gleichen Lage. Kann man ihren Ehemännern vorwerfen, dass sie ihre Karriereplanung nicht einfach an den Nagel hängen wollen, nur weil ihre Frau jetzt eine Aufgabe in China erfüllen soll? Wohl kaum.

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Mit Charme gegen die gläserne Decke

Dienstag, 13. Juli 2010 von Redaktion FMNL


Anke Domscheit-Berg arbeitet als Director Government Relations bei Microsoft Deutschland in Berlin. Neben ihrem Beruf engagiert sich die 42-Jährige für Frauen in Führungspositionen, mit dem Ziel, die so genannte gläserne Decke zu durchbrechen – welche bis heute Frauen daran hindert, in hohe Funktionen aufzusteigen. Über ihre eigenen Erfahrungen mit der „gläsernen Decke“ schrieb die Mutter eines zehnjährigen Sohnes u.a. für die Zeit, die taz und ab jetzt als Anchor-Bloggerin auch für Ostfrauen_Blog.

Anke Domscheit, 42 Jahre, Director Government Relationships, Microsoft GmbH, Berlin

Anke Domscheit, 42 Jahre, Director Government Relationships, Microsoft, Berlin – Foto: Sylvie Weisshäupl


ANKE DOMSCHEIT-BERG: “Ich bin in der DDR geboren, zur Schule gegangen, habe dort gearbeitet und studiert. Genau mein halbes Leben habe ich in diesem verschwundenen Land gelebt – die andere Hälfte im wiedervereinigten Deutschland. Als die Mauer fiel, war ich 21 Jahre alt und mein Charakter im Wesentlichen geprägt. So ist es wenig verwunderlich, dass ich trotz der unleugbaren Einflüsse zufälliger Umstände, vieles von dem was ich erlebt und erreicht habe, auf meine ostdeutsche Sozialisierung zurückführe, auch heute noch – und wohl für den Rest meines Lebens.

Kommentare von Vorgesetzten

Die gläserne Decke wurde mir ein Begriff, nachdem ich mir als Unternehmensberaterin und Mutter eines Kleinkindes in Westdeutschland viele Beulen daran geholt hatte. Die mehr oder weniger direkten Kommentare von Vorgesetzten und Kollegen, die mir nahe legten, mich doch weniger auf Karriere und mehr auf den Nachwuchs zu konzentrieren, um soziale und psychische Schäden des Kindes zu verhindern, haben mich wütend gemacht und frustriert. Sie haben mich jedoch niemals entmutigt. Mein Rabenmutterschweinehund hat trotz häufiger innerer Auseinandersetzungen noch immer den Kampf verloren.

Ostdeutsche Mütter lebten Vereinbarkeit vor

Ich habe mich oft gefragt, ob ich dieses Jahrzehnt der Behinderung ohne das Selbstverständnis, das Grundvertrauen darin, dass Kinderbetreuung einem Kind nicht schadet und dass es mein Recht ist, Kinder zu haben, zu arbeiten und Karriere zu machen, genauso überstanden hätte. Die Normalität der Vereinbarkeit an praktisch allen ostdeutschen Müttern vor der Wende erlebt und verinnerlicht zu haben, hat mir ein Schutzschild gegeben, dass mich kämpferisch, ehrgeizig und auch dickköpfig werden ließ. Aus meiner Biographie kann ich bestätigen, dass Leistung allein nicht zu Karriere führt. Bei mir waren es zwei weitere Eigenschaften, die mir den Aufstieg ermöglicht haben: Charme – denn nichts ist hinderlicher als der Ruf, eine frustrierte Zicke zu sein. Und Penetranz – genährt aus dem Anspruch der arbeitenden Frauen in der DDR: Alles zu dürfen und alles zu können – wenn man es nur will.”

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