Victoria Haubold ist 22 Jahre alt und studiert derzeit an der Internationalen Berufsakademie Berlin in der Fachrichtung Tourismus/Gastronomie und entschied sich für die Firma McDonald’s als Partnerbetrieb. Seit ihrem 15. Lebensjahr jobbt Victoria – Tochter von Steffi Haubold – bei McDonald’s: Früher als Aushilfskraft in der Küche, an der Kasse oder im Kaffee, heute erfüllt sie – neben dem Studium – die Aufgaben einer stellvertretenden Restaurantleiterin, führt Personalgespräche, ist verantwortlich für Arbeitsverträge und vieles mehr. Wir fragten die Studentin, inwiefern die Generation ihrer Mutter und Großmutter, die die DDR noch erlebt haben, den Boden bereitet für heutige Frauenkarrieren? Ihre Antwort lesen Sie hier:

Victoria Haubold – Foto: privat
VICTORIA HAUBOLD: “Um es gleich im am Anfang klarzustellen: Ich kann diese Frage nicht beantworten! Ich kann lediglich meine Erfahrungen und Eindrücke vermitteln. Der Rest liegt beim Leser.
Schenkt man der Erziehungsphilosophie meines Vaters, die er wohl erst spät gewonnen hat, Glauben, so wird die einzig wirksame Erziehungsmethode durch das eigene Vorbild gepaart definiert – mit Liebe und ein „wenig“ Nachdruck. Gesteht man dem Prinzip Vorbild die große Kraft zu, dann hat mir meine Mutter wohl ein sehr konstruktives Erbe hinterlassen.
Alles anpacken, ohne sich dabei zu überschätzen und nicht über jede Widrigkeit des Lebens zu jammern, das habe ich die letzten 20 Jahre erlebt.
Diese Eigenschaft wird den Müttern, die in der DDR gelebt haben, gerne zugeschrieben. Ich glaube, dass es in der DDR nicht mehr Mütter gegeben hat, die das Leben anpacken und im Beruf erfolgreich sein wollten, als woanders auf der Welt. Da habe ich ja den direkten Vergleich zu den Müttern meiner Freundinnen, die aus aller Herren Länder kommen. Zielstrebigkeit, Ehrlichkeit und Durchhaltewillen, das sind Dinge, die wohl jede Mutter einem Mädchen mit auf den Weg geben will, damit es eine Karriere machen kann.
Kinderkrippen bedeuten keine lebenslange Verhaltensstörung
Mich haben viel mehr die Geschichten und Erzählungen von „damals“ geprägt. Man erfährt quasi nebenbei, wie vor gerade einmal 25 Jahren Frauen ihr berufliches Leben bestritten und dabei erstaunliche Karrieren gemacht haben. Das eigene Leben wird Teil der Erzählungen aus einer „anderen Zeit“.
Man begreift, dass es nicht unbedingt zu einer lebenslangen Verhaltensstörung kommt, wenn man am Tag in der Kinderkrippe ist und die Mutter mal drei Monate lang nur am Wochenende sieht. Die Arbeitsteilung zwischen meinen Eltern habe ich, anders als heute in vielen Familien, als eher zwanglos und ungeplant empfunden.
Man nimmt die Dinge, wie Sie kommen. Wenn ich von einem konstruktiven Erbe sprechen will, dann vielleicht davon, dass es kein Richtig oder Falsch gibt, sondern nur ein „So könnte das klappen“, „Da lasse ich mir jetzt nicht reinreden“ oder „Den Fehler machen wir dann eben einmal“. Die wichtigste Erinnerung oder das vielleicht wichtigste Erbe ist die vorgelebte Erkenntnis, dass nichts sich gegenseitig ausschließt – wenn man es will.
So wird es für eine Frau, die keine familiäre Unterstützung annehmen will, ihr Kind 24 Stunden am Tag aufwachsen sehen will und auch sonst wenig Kompromisse macht, irgendwann etwas mühsam mit der eigenen Karriere. Aber auch eine Karriere ist ja kein Muss, wenn man es nicht wirklich will.”
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