Sie hat in ihrer Region vieles bewegt. Dorothee Berthold ist seit 20 Jahren als Grüne Abgeordnete im Kommunalparlament des Burgenlandkreises und im Gemeinderat Lützen in Sachsen-Anhalt aktiv. Sie kämpft gegen den Braunkohleabbau in Lützen und für den Einsatz von erneuerbaren Energien. “Es sollten mehr Frauen in den kommunalen Parlamenten sein. Weibliche Mentalität ist bei vielen Entscheidungen von Vorteil”, ist sie sicher.

Rein in die Kommunalpolitik! Was oder wer hat Ihnen den entscheidenden Anstoß gegeben?
Dorothee Berthold: Mein Mann hat 1994 enttäuscht seinen Platz im Gemeinderat unserer Kommune verlassen. Darauf kandidierte ich als Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen und bin seitdem mit vielen wichtigen Problemen konfrontiert worden: Angefangen bei einem leider erfolglosen Versuch eine dezentrale Kläranlage für unsere vier Ortsteile zu schaffen bis zum Kampf um den Schulstandort Lützen, den wir – durch die Eröffnung einer Privatschule, die nun seit einem halben Jahr gut läuft – gewonnen haben.
Was war/ist die größte Herausforderung in ihrem Amt? Was bewegt Sie? Was haben Sie bewegt
D.B.: Als Grüne beschäftigt mich besonders der geplante Braunkohlentagebau Lützen. Zum Schutz der Heimat kämpfe ich gegen dieses Vorhaben. Einerseits aus Klimaschutzgründen: Mir liegt als evangelische Pfarrerstochter die Bewahrung der Schöpfung am Herzen. Andererseits aus ökonomischen Gründen: Unsere Orte wurden mit viel Geld saniert, Abwasser gelegt usw. Energie wird schon länger exportiert, diese Exporte steigen weiter, auch aus Profitgier von Konzernen. Dies will ich nicht unterstützen und zeige stattdessen auch mit unserem Haus, wie erneuerbare Energie genutzt werden sollte.
Besonders stolz bin ich, mit viel Taktik eine Bürgerbefragung zur Akzeptanz der neuen Kommune Lützen zum Tagebau Lützen angeschoben zu haben. Dies war jahrelang versucht und immer abgeblockt worden. Die Befragung ergab eine 87 prozentige Ablehnung des Vorhabens und kann nun der Landesregierung immer vor die Nase gehalten werden, die in ihrem Energiekonzept neue Tagebaue nur mit Akzeptanz der betroffenen Bevölkerung aufschließen lassen will.
Bietet der Osten besondere Freiräume oder Gestaltungsmöglichkeiten für kommunalpolitisches Engagement?
D.B.: Ich könnte mir vorstellen, dass Frauen im Osten selbstverständlicher in den kommunalpolitischen Parteien auf- und wahrgenommen werden. Frauen am Kochtopf gibt es nun mal seit vielen Jahren – auch notgedrungen – hier weniger.
Es gibt auch in den neuen Ländern deutlich weniger Frauen als Männer in kommunalpolitischen Ämtern: Warum eigentlich?
D.B.: Oft trauen sich Frauen dies nicht so zu wie Männer. Nicht zuletzt, weil es seit jeher eine Domäne der Männer ist, am Rathaustisch zu sitzen. Auch ist es für Frauen oft schwerer, politisches Engagement mit der Familie und der Arbeit zu vereinbaren.
Bitte in einem Satz: Warum sollte „frau“ rein in die ostdeutsche Kommunalpolitik?
D.B.: Frauen sollten in kommunalen Parlamenten tätig sein, weil weibliche Mentalität bei vielen Entscheidungen von Vorteil ist. Politik kann dadurch vielseitiger erfolgen.
Dorothe Berthold wurde 1954 in Magdeburg geboren und wohnt seit 43 Jahren in Lützen. Die gelernte Pharmazieigenieurin ist verheiratet und Mitglied von Bürgerinitiativen vor Ort.









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