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Lesen Sie hier die Ergebnisse unserer Studie 2011
"Mehr Raum für starke Frauen!"
Langfassung der Studie
Pressetext zur Studie:
„Frauen machen Neue Länder – Mehr Raum für starke Frauen“ Studie 2011
Die ostdeutschen Bundesländer zeigen schon heute, wie der demografische Wandel durch kreative und unkonventionelle Handlungsmodelle zu bewältigen ist. Denn trotz aller Herausforderungen bieten die schrumpfenden Regionen besondere Chancen und Raum für ungewöhnliche Ideen. Insbesondere Frauen nutzen die Veränderungsprozesse und werden zu wichtigen Schlüsselpersonen in der Gestaltung der Gesellschaft von morgen: Sie knüpfen starke Netzwerke, tragen soziale Verantwortung und begegnen bürokratischen Hürden mit unkonventionellen und kreativen Lösungen. Die Erkenntnis, dass es dabei auf das Engagement jeder einzelnen Frau ankommt, motiviert vor allem "Rückkehrerinnen": Qualifizierte junge Frauen, die nach Ausbildung oder Studium zurück in ihre Heimatorte kehren und mit neuen Ideen das Ruder übernehmen. Ältere Frauen spielen in den Neuen Bundesländern vor allem in Politik und Verwaltung eine bestimmende Rolle.
Das sind in die wichtigsten Ergebnisse der Studie "Mehr Raum für starke Frauen", für die 371 Frauen in den Neuen Ländern im Rahmen einer Online-Umfrage befragt wurden, davon 250 Frauen aus ländlichen Regionen und Klein- und Mittelstädten. Darüber hinaus stellt die Studie14 Frauen in Porträts vor, die mit ihren Projekten und Unternehmen in unterschiedlichen Wirtschaftsbranchen und Gesellschaftsbereichen direkt auf den demografischen Wandel reagieren und positive Veränderungsprozesse vorantreiben. Die Studie wurde im Auftrag des Beauftragten der Bundesregierung für die neuen Bundesländer von der pme Familienservice GmbH realisiert.
Not macht erfinderisch – Innovationsvorsprung Ost
Ausgerechnet in Regionen wie zum Beispiel der Prignitz oder der Uckermark, denen nach rein ökonomischen Kriterien keine große Zukunft vorausgesagt wird, leben besonders kreative Frauen. „Not macht erfinderisch“ könnte die passende Antwort sein: Zahnärztin Dr. Kerstin Finger fährt mit ihrer "Praxis auf Rädern" durch die Dörfer in der Uckermark und behandelt ältere Patienten in deren eigenen vier Wänden. Innenarchitektin Christina Tast inszeniert alljährlich Opernvorstellungen in Klein Leppin: Darsteller sind neben Profimusikern die Einwohnerinnen und Einwohner des Dorfes, Spielort ein ehemaliger Schweinestall. Jana Reiche gründete in der 220-Seelen-Gemeinde Baek in der Prignitz erfolgreich eine Schule nach reformpädagogischem Konzept. Iris Feldmann ist Projektleiterin der Bioenergie Region Ludwigsfelde, deren Ziel ist es, Energieprojekte mit viel Bürgerbeteiligung anzustoßen und umzusetzen (z.B. Biogasanlagen, Windkraft).
Frauen nehmen wichtige Schlüsselfunktionen ein
Unsere Onlinebefragung zeigt: Die Frauen, die in ihren Heimatorten bleiben, zeichnen sich durch ein erstaunlich hohes Verantwortungsbewusstsein aus. Sie übernehmen das Ruder in den Verwaltungen oder in der Kommunalpolitik, gründen eigene Firmen oder investieren in soziale Infrastruktureinrichtungen (Dorfläden, Schulen, Kitas). Statistische Werte zeigen: Fast die Hälfte (45%) der Führungskräfte im öffentlichen Dienst der neuen Bundesländer sind weiblich, manche Kreisverwaltungen oder Kommunalverwaltungen sind fest in Frauenhand. In den Landkreisen Ludwigslust, Nordwestvorpommern und Rügen regieren inzwischen mehr Bürgermeisterinnen als Bürgermeister. Die Gründe dafür liegen in der guten Ausbildung, der kontinuierliche Erwerbsbeteiligung und der durch die Wendeerfahrung gewonnenen beruflichen Flexibilität der Frauen.
Kreativ und unkonventionell
Gerade in Dörfern und Regionen, wo die Nachfrage sinkt und das Angebot sich ausdünnt, sind unkonventionelle Lösungen gefragt. Bürokratie und starre Standards sind von gestern, Eigeninitiative, Engagement und Kooperation werden immer wichtiger. Lebensqualität ist meist nur dann aufrecht zu erhalten, wenn man sich gegenseitig hilft, z.B. wenn die Sparkassenfilialleiterin sich mit dem Dorfladen und der Verkehrsgesellschaft zusammen tut. Funktionierende Netzwerke sind „mindestens die halbe Miete“ für ein gelingendes Leben auf dem Land. Frauengeführte Projekte bestätigen den Vernetzungsansatz, ob zum Beispiel bei regionaler Kooperation in der Direktvermarktung, gemeinschaftlich aufgebauten Bildungsangeboten, Bürgerstiftungen, Bürgerläden, Bürgerbussen. Frauen organisieren kulturelles Leben und machen sich gemeinsam stark für Bildung und Mobilität. „Frauen halten den Laden am Laufen“, das ist besonders wichtig, denn funktionierende soziale Beziehungen und Netzwerke sind der wichtigste Standortfaktor für ländliche Regionen.
Potenziale der Rückkehrerinnen nutzen
Ein weiteres Ergebnis der Onlinebefragung bestätigt: Immer noch verlassen viele jungen Frauen die schrumpfenden Regionen für ein Studium oder die Ausbildung. Jedoch, die Dagebliebenen bedauern das kaum. Denn: Nicht alle, aber einige der jungen Frauen, die abgewandert sind, kommen mit hervorragenden Ausbildungen, neuem Elan und mit einem anderen Blick auf ihre Heimat zurück. Sie haben ihren Blick geweitet und möchten nun in ihrer Heimat etwas bewegen. Ihre sehr guten Qualifizierungen machen sie zur wichtigen Ressource für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in den ländlichen Regionen der neuen Bundesländer. Und ihnen ist bewusst, dass es auf sie ganz persönlich ankommt, wenn sich in der Heimat etwas verändern soll. Auf die Impulse dieser Rückkehrerinnen kann zukünftig nicht verzichtet werden.
Sieben Typen von Landfrauen
Neben den Rückkehrerinnen definiert die Studie sechs weitere Typen von Frauen, die in den ländlichen Regionen der neuen Bundesländer leben: Die "Experimentierfreudigen“: Meist ehemalige Stadtbewohnerinnen, die mit Familie und/oder Freunden bewusst aufs Land ziehen und den Freiraum und das Unvollkommene im Vergleich zur Großstadt schätzen. Die „Unerschütterlichen“: Sie meistern die Schwierigkeiten, die das Leben in den ländlich geprägten Regionen mit sich bringt, denken nicht ans Weggehen, sondern machen das Beste aus ihrem Alltag. Die „Skeptikerinnen“ sind auf dem Land groß geworden und wollten so schnell wie möglich weg oder sind Großstadtkinder, die sich nie vorstellen konnten, in einem Dorf zu wohnen. Plötzlich ändern sich die Lebensumstände und sie ziehen mit oder ohne Familie aufs Land. Anfangs skeptisch bis frustriert, gewöhnen sie sich schnell ein und sind überrascht, wie viel mehr ihnen das Landleben zu bieten hat. Die „Lebenskünstlerinnen" setzen bewusst einen Kontrapunkt zum durchökonomisierten Stadtleben und nutzen die kreativen Freiräume und persönlichen Kontakte, die sich ihnen auf dem Land bieten. Ihre Tätigkeiten mögen finanziell wenig lukrativ sein, aber die hohe Lebensqualität entschädigt sie. Die Heimatverbundenen haben meist ihr ganzes Leben in der ländlich geprägten Heimat verbracht und identifizieren sich stark mit der Region. Sie sind sehr mit Familie und Freunden vor Ort verbunden. Ihre Aufgabe sehen sie darin, das Leben in der Heimat am Laufen zu halten. In der Regel sind sie wirtschaftlich „angekommen“, haben relativ sichere Jobs, sind aber auch mit einem kleinen Gehalt zufrieden. Und zuletzt die "Pendlerinnen" die sich auf dem Land so wohl fühlen, dass sie ihren Wohnort selbst für einen guten Arbeitsplatz nicht wechseln möchten und teilweise sehr weite Pendelstrecken in Kauf nehmen. Ihr Alltag funktioniert, weil er gut organisiert ist.
Vielfältige Lebenswege – Frauen bewegen was!
Die Schwierigkeiten des Lebens in den abgelegenen, dörflichen oder kleinstädtischen Räumen der neuen Bundesländer können nicht geleugnet werden. Dies kommt auch in unserer Befragung immer wieder zum Ausdruck. Doch diese Schwierigkeiten begreifen die Frauen als Herausforderungen, die gemeistert werden müssen. Energie und Kreativität ziehen die Frauen aus ihrer Verbundenheit mit der Natur, der Heimat und den Menschen vor Ort. Sie setzen sich dafür ein, dass auch die zukünftigen Generationen in den Dörfern und Kleinstädten eine Lebensgrundlage für sich sehen. Damit tragen sie – oft im kleinen lokalen Kontext – zur positiven regionalen Entwicklung bei und zeigen heute schon, wie der demografische Wandel zu bewältigen ist. Sie gehen oft ganz neue, unkonventionelle Wege und entwickeln Konzepte, die wegweisend sind für die Gesellschaft von morgen. Die Innovationskraft dieser Konzepte kann gar nicht unterschätzt werden.
Pressekontakt:
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Isabel Hempel Kongressbüro "Frauen machen Neue Länder" pme Familienservice GmbH - Zentrale Flottwellstraße 4-5 - 10785 Berlin Email:
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! Sie müssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen können.
Mobil: 0178-348 52 11
Online-Umfrage zur Studie 2011
Frauen machen Neue Länder – Mehr Raum für starke Frauen!
Verlassene Dörfer und Kleinstädte, hohe Arbeitslosigkeit und wachsende Fremdenfeindlichkeit, immer mehr alte Menschen und flüchtende junge Frauen – so das gängige Klischee über das Leben in schrumpfenden Regionen der Neuen Bundesländern. Stimmt das wirklich?
Frauen übernehmen gesellschaftliche Verantwortung
Denn trotz aller Herausforderungen bieten diese Regionen besondere Chancen und Raum für ungewöhnliche Ideen. Hier leben – wie wir in den vergangenen Studien gezeigt haben - selbstbewusste und starke Frauen, die die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Neuen Bundesländer maßgeblich gestalten.
Geschichten vom „Dableiben“ und „Machen“ sind gefragt
Mit unserer Online-Befragung haben wir Frauen angesprochen, die in schrumpfenden Regionen der Neuen Bundesländer – egal ob im Dorf oder in der Stadt - leben. Wir haben Frauen gefunden, die die Herausforderungen angepackt und die besonderen Gestaltungsmöglichkeiten genutzt haben. Ihre Geschichten vom „Dableiben“ und „Machen“ haben wir aufgezeichnet.
Die Befragung fand im Auftrag des Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer statt.
Die Forschungsergebnisse werden im Rahmen des IV. Kongresses "Frauen machen Neue Länder - Mehr Raum für starke Frauen!" am 27.10.2011 in Leipzig vorgestellt. |
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Studie 2010
„Das volle Leben! Frauenkarrieren in Ostdeutschland“ 2010
Die Ergebnisse der aktuellen Studie "Das volle Leben! Frauenkarrieren in Ostdeutschland" wurden am 04.11.2010 in Leipzig auf dem III. Kongress "Frauen machen Neue Länder – Frauenkarrieren in Ostdeutschland" vorgestellt. Die Studie als Lang- und Kurzfassung zum Download finden Sie auf dem Blog in der rechten Widget-Leiste (Startseite). Die Studie wurde im Auftrag des Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer in Kooperation mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von der pme Familienservice GmbH realisiert.
Die Ergebnisse in der Zusammenfassung:
Ostdeutsche Frauen und ostdeutsche Männer bleiben dabei: Berufliche Entwicklung beider Partner und Kinder gehören zum gemeinsamen Lebensglück. Das ist ein zentrales Ergebnis der Studie „Das volle Leben! Frauenkarrieren in Ostdeutschland“. Damit haben Frauen und Männer in den Neuen Ländern einen Gleichstellungsvorsprung: Männer sind damit aufgewachsen, dass Frauen vollberufstätig und Kinder selbstverständlich sind. Diese Normalität zeichnet die ostdeutschen Partnerschaften aus.
Frauen in den Neuen Ländern halten unbeirrt an ihrer hohen Erwerbsneigung fest. Ob allein erziehend oder in Partnerschaft lebend: Jede zweite erwerbstätige Frau in den Neuen Ländern mit jüngstem Kind unter 15 Jahren arbeitete im Jahr 2008 in Vollzeit, doppelt so viele wie in den alten Bundesländern (Vollzeitquoten von Müttern 2008: Ost 53%, West 22%).
Das liegt vor allem daran, dass die Akzeptanz des gesellschaftlichen und unternehmerischen Umfelds für das berufliche Engagement von Frauen, auch wenn sie Mütter sind, in den Neuen Ländern deutlich höher ist als in den alten Bundesländern. Diese Akzeptanz erleichtert Frauen in den Neuen Ländern den Einstieg in Führungspositionen. 2008 besetzten Frauen hier 30% der Führungspositionen, in den alten Bundesländern 24% (SÖSTRA 2009). In der Breite haben Frauen in den Neuen Ländern außerdem deutlich eher die Chance, auch als Mutter eine mittlere Führungsposition zu besetzen. Generell können Führungsfrauen in Ostdeutschland private Lebensziele leichter verfolgen und das „volle Leben“ mit Karriere, Kind und Partnerschaft verwirklichen. Die Vereinbarung von beruflicher Karriere und Familiengründung ist gesellschaftlich anerkannt. Für Mütter, die ambitioniert eine Berufslaufbahn verfolgen, entfällt der Rechtfertigungsdruck gegenüber dem privaten und beruflichen Umfeld.
Ostdeutsche Führungsfrauen haben öfter Kinder
Es ist anzunehmen, dass dies der Grund dafür ist, dass weibliche Führungskräfte in den Neuen Ländern wesentlich häufiger Familie und Kinder haben als in den alten Bundesländern: 70% der ostdeutschen Managerinnen aber nur 36% der westdeutschen haben ein oder zwei Kinder (Sekundäranalyse Wippermann 2010). Dieser dramatische Unterschied zeigt deutlich, dass Frauen in den Neuen Ländern sich nicht auf ein einseitiges Lebensmodell festlegen müssen. In den alten Bundesländern sehen sich Frauen viel eher mit einer Entscheidung zwischen Kind und Karriere konfrontiert. Im Westen sind mit 22% doppelt so viele Frauen, die zwischen 1964 und 1968 geboren wurden, kinderlos (Ost 11%) (IW Köln 2009). Ein weiterer signifikanter Unterschied ist, dass ostdeutsche Führungsfrauen wesentlich häufiger verheiratet sind (Ost 61%, West 47%). „Nur“ 23% von ihnen leben ohne Partner (West 31%). (Sekundäranalyse Wippermann 2010). Die Ehe scheint für Frauen im Osten eher karrierefördernd, im Westen eher bremsend zu sein. Bemerkenswert ist dies insofern, als dass im Osten weniger geheiratet wird und mehr Kinder in unverheirateten Partnerschaften zur Welt kommen. 2009 wurden in den Neuen Ländern 61% der Kinder ohne Trauschein geboren (West 26%).
Gleichzeitig bringen Führungsfrauen im Osten Deutschlands früher Kinder zur Welt. Im Durchschnitt hatten 2008 Frauen in Führungspositionen in den Neuen Ländern ihr erstes Kind im Alter von 23 Jahren geboren. Damit unterscheiden sie sich nicht von anderen angestellten Frauen in der ostdeutschen Privatwirtschaft. Beruflicher Aufstieg erfolgt parallel zur Familienverantwortung und nicht zeitlich versetzt – ein Indiz für die besseren Vereinbarkeitsmöglichkeiten in den Neuen Ländern.
Junge Frauen in Ostdeutschland tragen diese Einstellungen weiter in die kommende Generation: Das zeigt u.a. die für die vorliegende Studie erstellte Extraauswertung der Brigitte Studie „Frauen auf dem Sprung – Das Update“ (2009) nach Ost- und Westdeutschland: Nur 16% der ostdeutschen Frauen bestätigen die Aussage: „Für meine Kinder würde ich
aufhören zu arbeiten“. Mehr als doppelt so viele westdeutsche Frauen (37%) wären dazu bereit. Nur 24% der befragten ostdeutschen Frauen zwischen 17 und 29 Jahren sind bereit, für ihre Partnerschaft Einkommensverluste hinzunehmen (West 43%). Diese sehr unterschiedlichen Vorstellungen schlagen sich machtvoll in den gelebten Realitäten nieder.
Gleichberechtigte Partnerschaften sind im Osten der „Normalfall“
Der Anteil der Haushalte, in denen beide Partner ungefähr gleich viel zum Haushaltseinkommen beitragen, ist in den Neuen Ländern mit 44,5% fast doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern mit 27,9%. Egalitäre Einkommensverhältnisse sind viel eher die Norm. Die historisch gewachsenen Familienmodelle haben in den Neuen Bundesländern auch nach 20 Jahren Deutscher Einheit weiterhin Bestand. Entscheidend ist, dass sich die Rollen des männlichen „Familienernährers“ und der „Hausfrau“ in den Wunschvorstellungen der Menschen in den Neuen Ländern praktisch nicht wieder finden. Die Realität bestätigt dies: Im Osten Deutschlands ist in fast 60% der Familien der Mann nicht der Haupternährer. Im Westen bringen immer noch 61,5% der Männer den Hauptteil des Haushaltseinkommens ein – das hat normative Auswirkungen (Klenner, Klammer 2008).
In den Neuen Bundesländern trugen 2006 in knapp 15% der Paarhaushalte Frauen als „Haupternährerinnen“ mehr als 60% zum Haushaltseinkommen bei (West 10,6%) (Klenner, Klammer 2008). Zum Teil ist das der schwierigen Arbeitsmarktsituation geschuldet: 42% der ostdeutschen Familienernährerinnen leben mit einem Partner zusammen, der arbeitslos ist.
Die hohe Berufsorientierung, die solide berufliche Qualifikation und die trotz Brüchen und Veränderungen fortlaufenden Berufsbiografien ostdeutscher Frauen liefern weitere Gründe. Einem Wunschtraum entspricht dieses Lebensmodell jedoch nicht. Laut unserer Online-Befragung wünschen sich nur 1,8% der Frauen, Ernährerinnen ihrer Familien zu sein.
Männer in den Neuen Ländern sind partnerschaftlicher
Männer in den Neuen Ländern sehen die Berufstätigkeit der Frauen als selbstverständlich an und unterstützen sie. Ein Rückblick ins Jahr der Wiedervereinigung liefert dazu interessante Ergebnisse: 70% der ostdeutschen Väter mit Kindern unter zehn Jahren waren 1990 der Meinung, dass ihre Frauen die gleichen beruflichen Chancen haben sollen wie sie und deswegen Haushaltsarbeit und Kinderbetreuung auf beide Partner gleichermaßen aufgeteilt werden muss. Nicht einmal die Hälfte der westdeutschen Väter (46%) stimmte dieser Aussage zu. Ein Viertel der Väter in den alten Bundesländern lehnte dies sogar gänzlich ab (Deutsches Jugendinstitut 1990). Dass die Unterschiede im Rollenverständnis ost- und westdeutscher Männer bis heute existieren, zeigt ein weiteres Ergebnis der Extraauswertung der Brigitte-Studie 2009: Knapp 25% der westdeutschen jungen Männer, doppelt so viele wie im Osten Deutschlands (12%) streben noch immer das konservative männliche Ernährermodell an.
Trotz ihrer stärkeren beruflichen Einbindung verbringen kinderlose, in Partnerschaft lebende Frauen in den Neuen Bundesländern fast exakt genauso viel Zeit mit unbezahlten Haushaltstätigkeiten wie Frauen in den alten Ländern (Ost 4:06 Stunden, West 4:07 Stunden am Tag). Jedoch: Mit durchschnittlich 3:25 Stunden engagieren sich die ostdeutschen Männer merklich stärker als die westdeutschen Männer im Haushalt (West 2:44 Stunden) (Wengler et al. 2008). Der Gleichstellungsvorsprung der Neuen Länder schrumpft allerdings, sobald Kinder geboren werden. Dann schleichen sich sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern klassische Muster der Aufgabenverteilung ein. Mit einem wesentlichen Unterschied: Westdeutsche Männer sehen ihre Frauen in der Pflicht der Kindererziehung, ostdeutsche Männer setzen auf externe Betreuungsangebote.
Die ostdeutschen Frauen haben in den 20 Jahren der deutschen Einheit gezeigt, dass sie an einem selbstbestimmten Leben festhalten. Sie möchten auf nichts verzichten, sondern leben ein volles Leben mit Beruf, Partner und Kindern. Die Generation der jungen Frauen in den Neuen Ländern trägt dieses „kulturellen Erbe“ weiter. Sie haben Männer an ihrer Seite, die sie unterstützen. Auch wenn Kinder geboren werden, wünschen sich ostdeutsche Männer keine Hausfrau als Partnerin. Ostdeutsche Führungsfrauen prägen durch die selbstverständliche Vereinbarkeit von beruflichen Erfolg und Familienleben die Unternehmensstrukturen und damit die Arbeitswelt von morgen.

Susanne Dähner und Uta Bauer präsentieren die Studie "Das volle Leben! Frauenkarrieren in Ostdeutschland" im Rahmen des III. Kongresses "Frauen machen Neue Länder" am 4. November 2010 im Mediencampus der Villa Ida in Leipzig. Foto: Sylvie Weisshäupl
Online-Umfrage
Studie zum III. Kongress
Auch in diesem Jahr begleitet eine neue Studie den Kongress. Im Rahmen der Studie wird gefragt: Warum besetzen in den Neuen Ländern mehr Frauen Führungspositionen in Wirtschaft, Politik und Wissenschaft als im Westen des Landes? Welche Rolle spielt Partnerschaft - im Privaten, in Unternehmen, in der Gesellschaft - bei der Karriereplanung von Frauen.
Dazu interessierte uns auch Ihre Meinung! Herzlichen Dank für Ihre zahlreiche Teilnahme an der Online-Umfrage zur Studie!
655 (hauptsächlich) Frauen aus Ost und West nahmen bis zum 15. Ausgust 2010 an der Umfrage teil. Die Ergebnisse wurden auf dem III. Kongress "Frauen machen Neue Länder" am 4. November in Leizig vorgestellt.
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Studie 2009
Frauen in den neuen Bundesländern – gut positioniert in der Bewältigung
der Wirtschaftskrise
Ostdeutsche Frauen sind Krisengewinnerinnen. Von der derzeitigen Wirtschafts- und Finanzkrise profitieren die ostdeutschen Frauen. "Die Frauen im Osten werden nicht vom Arbeitsmarkt gefegt, der Verlierer der Krise ist der westdeutsche Mann", erklärten Uta Bauer und Susanne Dähner, Autorinnen der Studie zum II. Kongress "Frauen machen Neue Länder - Stark durch die Krise" auf der Tagung am 25.06.2009 in Leipzig. Immer weniger Frauen sind arbeitslos. Die Arbeitslosenquote von ostdeutschen Frauen ist im März 2009 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,7 Prozent gesunken. Die Quote arbeitsloser Männer im Westen stieg hingegen um mehr als 12,1 Prozent. Ein Grund dafür ist die überwiegende Beschäftigung von Frauen im weniger konjunkturanfälligen Dienstleistungssektor. Insgesamt hat der Osten Deutschlands in der Krise einen konjunkturellen Vorteil, weil die dortige Wirtschaft kleinteiliger und dadurch flexibler ist.
Ostdeutsche reagieren dank der Wendeerfahrung gelassener auf die Krise: Die meisten der Ostdeutschen haben nach der Wende Beruf oder Arbeitgeber wechseln müssen. Vor allem weibliche Führungskräfte im Osten sehen die Krise eher als sportliche Herausforderung und weniger als Bedrohung.
Frauen - die besseren Krisenmanager? Ostdeutschland kommt zugute, dass der Frauenanteil in den Chefetagen der Unternehmen mit 30 Prozent in der obersten Führungsebene höher ist als im Westen. Dort stagniere der Anteil seit vier Jahren bei 24 Prozent. In der zweiten Führungsebene ist der Abstand mit 44 zu 34 Prozent noch deutlicher. Den Frauen trauen die Ostdeutschen zudem eher zu, die Krise zu meistern: In einer Umfrage von infratest dimap erklärten 60 Prozent der Befragten im Osten Frauen für die besseren Krisenmanager, während nur 15 Prozent dies den Männern zutrauen.
Die Studie wurde von Bundesminister Wolfgang Tiefensee, Ressortleiter für die neuen Länder, beauftragt und vom pme Familienservice GmbH Partner für Mitarbeiterentwicklung, durchgeführt.
Die Ergebnisse der Studie 2009 können sie sich als Kurzfassung oder Langfassung downloaden.




Stephanie Rohac, Leiterin Internationales Marketing, PC Ware Leipzig, leitet den Workshop "Frauen und Führung – Was SIE anders macht" auf dem II. Kongress "Frauen machen Neue Länder" 2009 in Leipzig. Fotos: Sylvie Weisshäupl
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