Studie 2013

"Frauen machen Thüringen – Durchstarten in Wissenschaft und Forschung!"


Bildung, Wissen und Innovationskraft sind die Grundlagen für die Zukunftsfähigkeit vieler Wirtschaftsstandorte. Thüringen hat mit vielen renommierten Universitäten, Fachhochschulen sowie zahlreichen außeruniversitären Forschungseinrichtungen eine beispiellose Dichte an renommierten wissensbasierten Institutionen zu bieten.

 

Aber auch in Thüringen müssen Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, viele Hürden nehmen. Das Land ist zwar als Forschungsstandort gut etabliert, im bundesweiten Gleichstellungsranking rangieren die Hochschulen Thüringens jedoch seit Jahren auf den letzten Plätzen. Auch in außeruniversitären Forschungseinrichtungen und forschungsnahen Unternehmen besetzen nur wenige Frauen Führungspositionen.

 

Was sind die Gründe dafür? Wie kann es gelingen, den Anteil von Frauen bei  Führungspositionen in den Hochschulen und in der Wirtschaft deutlich zu erhöhen? Welche Hürden müssen Frauen auf wissenschaftlichen Karrierewegen nehmen und wie meistern sie diese? Bleibt Platz für die eigene Familienplanung und Kinder? Welche besonderen Herausforderungen haben Doppel-Karriere-Paare zu meistern? Welche Chancen bietet Thüringen für forschende Frauen?

 

Dies und anderes sind Themen der Studie "Frauen machen Thüringen – Karrierewege in Wissenschaft und Wirtschaft (Arbeitstitel)". Dazu werden vorhandenen Daten und Statistiken ausgewertet, mit wichtigen Schlüsselpersonen in Wissenschaft und Wirtschaft Interviews geführt. Im Mittelpunkt der Studie stehen – wie in den vergangenen Jahren auch – die persönlichen Lebensgeschichten interessanter Wissenschaftlerinnen und Unternehmerinnen!

 

Studie „Frauen machen Thüringen – Durchstarten in Wissenschaft und Forschung!"

 

In Thüringen müssen Frauen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, Hürden nehmen. Das Land ist als Forschungsstandort gut etabliert, im bundesweiten Gleichstellungsranking rangieren die Hochschulen Thüringens trotz exzellenter Studienbedingungen und hoher Familien
freundlichkeit jedoch auf den letzten Plätzen. Auch in außeruniversitären 
Forschungseinrichtungen und forschungsnahen Unternehmen besetzen nur wenige Frauen Führungspositionen.

Die Studie „Frauen machen Thüringen – Durchstarten in 
Wissenschaft und Forschung" – die im Rahmen des gleichnamigen 
Kongresses am 4.11.2013 im Jenaer Volksbad präsentiert wurde – stellt in Porträts die Werdegänge von zwölf Thüringer Wissenschaftlerinnen vor.

 

In Interviews mit Schlüsselpersonen der Thüringer Wissenschaft und Wirtschaft werden zudem 
Antworten auf u.a. folgende Fragen gefunden: Wie kann es gelingen, den Anteil 
von Frauen in Führungspositionen in den Hochschulen des Freistaates deutlich zu erhöhen? Welche Hürden müssen Wissenschaftlerinnen auf Erfolgskurs überwinden? Bleibt Platz für die Familienplanung? Welchen Herausforderungen stellen sich Doppel-Karriere-Paare? Und welche Chancen bietet die Thüringer Wirtschaft Wissenschaftlerinnen? Darüber hinaus wertet der Forschungsbericht amtliche Statistiken neu aus.

 

Zentrale Ergebnisse der Studie
 

Gute Aufstiegschancen für Ingenieurinnen Vergleichsweise gute Chancen für einen Aufstieg in der Wissenschaft haben Frauen in Thüringen in den Ingenieurwissenschaften: Sowohl unter den Absolventinnen, wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen sowie Promovendinnen liegt der Frauenanteil hier über dem Bundesdurchschnitt (Bund 17 %, Thüringen 23 %). Dies spiegelt sich aber nicht in den Professuren der Ingenieurwissenschaften wider: Sowohl bundesweit als auch im Freistaat sind davon nur knapp 10 Prozent weiblich besetzt.

 

Wissenschaftsstandort Thüringen – gut aufgestellt und familienfreundlich


Thüringen verfügt über eine gut ausgebaute Forschungslandschaft: Neun staatliche Hochschulen, die Einrichtungen von vier überregionalen Forschungsgemeinschaften und etliche außeruniversitäre Forschungsinstitute tragen zum guten Ruf des Landes als Technologie- und Wissensstandort bei. In bundesweiten Hochschulrankings belegen die TU Ilmenau, FSU Jena und FH Schmalkalden kontinuierlich Spitzenpositionen. Besonders in den Ingenieurwissenschaften punkten die Hochschulen des Freistaates. Mit flachen Hierarchien, kurzen Wegen und guten Kinderbetreuungsangeboten sind die Thüringer Hochschulstandorte zudem sehr familienfreundlich. Allein die guten Standort- und Rahmenbedingungen führen aber nicht dazu, dass mehr Frauen als im Bundesdurchschnitt an Thüringens Hochschulen lehren und forschen.

 

Periphere Hochschulstandorte attraktiver machen


Im Wettbewerb um hochqualifizierte Wissenschaftlerinnen, besonders in den MINT-Fächern, haben kleine, peripher gelegene Hochschulen Standortnachteile. Professorinnen leben häufig in Doppel-Karriere-Haushalten und ziehen Standorte mit vielfältigen und differenzierten Arbeitsmärkten vor. Ein geplantes Dual-Career-Netzwerk Thüringen kann hier wirksame Unterstützung leisten. Zudem sollten Thüringer Hochschulen ihre Nähe zu Ballungsräumen wie Berlin, der Rhein-Main-Region, Leipzig und Dresden stärker kommunizieren und Standortvorteile wie flache Hierarchien, kurze Wege und größere Nähe zu den Studierenden besser herausstellen.

 

Zu wenig Wissenschaftlerinnen in Führungspositionen


Je höher die wissenschaftliche Qualifikationsstufe, desto geringer ist 
der Frauenanteil an Universitäten. Zwar beenden mehr Frauen als 
Männer die Universität mit einem Studienabschluss und 45 Prozent 
der Promotionen stammen von Frauen. Doch nach der Promotion knickt 
ihre wissenschaftliche Laufbahn ein. Unter den habilitierten Wissenschaftlern 
ist im bundesdeutschen Durchschnitt jede Vierte eine Frau, in Thüringen nur
jede Fünfte. Auch der Anteil an Professorinnen liegt in Thüringen mit 16 Prozent
unter dem Bundesdurchschnitt von 20 Prozent.

 

Mit eigener Stärke, Motivation und Unterstützung an die Spitze
Motoren für eine erfolgreiche weibliche Karriere im Wissenschaftsbetrieb sind 
neben persönlichen Kompetenzen und der Leidenschaft für das Fach strukturelle Rahmenbedingungen. Attraktiv für Wissenschaftlerinnen sind eine klare Positionierung
der Forschungseinrichtung als familienfreundliche Arbeitgeberin mit transparenten Karriereperspektiven und aktive Rekrutierungsbemühungen der Institutionen. 
Dual-Career-Angebote, die institutionsübergreifend die Möglichkeiten der jeweiligen Wissenschaftsregion nutzen, sowie auf die Hochschulen zugeschnittene Förderprogramme 
mit konkreten Zielvorgaben tragen dazu bei, mehr Frauen eine wissenschaftliche Karriere zu ermöglichen.

 

Wissenschaftlicher Nachwuchs braucht Vorbilder


Vorbilder sind entscheidend: Erfolgreiche Karriereverläufe und herausragende Leistungen von Wissenschaftlerinnen motivieren Nachwuchsforscherinnnen und geben Orientierung und Einblicke in mögliche Karrierewege. Mentoring-Programme leisten hier sehr gute Unterstützung und helfen bei der Vernetzung der Frauen. 



Der Kongress „Frauen machen Thüringen – Durchstarten in Wissenschaft und Forschung!" – der die Kongressreihe der erfolgreichen Initiative „Frauen machen Neue Länder" fortsetzt – möchte hier ebenfalls einen Beitrag leisten. Neben der Begleitstudie gehören zur Initiative „Frauen machen Neue Länder" ein Onlinemagazin und eine Facebook-Fanseite.

 

Die pme Familienservice Gruppe konzipiert und realisiert die Kongressreihe und die Vernetzung im Internet im Auftrag des Beauftragten der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer. Der Kongress sowie die Begleitstudie „Frauen machen Thüringen – Durchstarten in Wissenschaft und Forschung" wurden in Kooperation mit der Thüringer Beauftragten für die Gleichstellung für Mann und Frau durchgeführt.

 

Die Studie wurde vom Büro für integrierte Planung Berlin erarbeitet. Die Autorinnen sind Uta Bauer und Susanne Dähner.